Katholische Kindertageseinrichtungen Hochsauerland-Waldeck gGmbh
Kath. Familienzentrum St. Nicolai Lippstadt
Headerimage Hellweg
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Pädagogisches Konzept Katholische Kindertageseinrichtung St. Nicolai

Vorwort des Trägers

Die katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH (kurz Kita gem. GmbH) ist eine Trägerschaft für katholische Kindertageseinrichtungen in den Dekanaten Hellweg und Lippstadt/Rüthen. Als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe betreiben wir rund 610 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Als größter Träger von Kindertageseinrichtungen in der Region ist es unser Ziel, die Einrichtungen wertorientiert, in ihrem katholischen Profil, zeitgemäß und bedarfsgerecht weiter zu entwickeln. Es ist unsere Aufgabe, die pastorale sowie familienpastorale und damit die pädagogische Arbeit der jeweiligen Tageseinrichtung sicher zu stellen. Trägerschaft bedeutet für uns, unsere Kitas und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Prozess zu begleiten, sowie ihre tägliche Arbeit durch unser Trägerhandeln zu unterstützen. Der Zusammenschluss in der Kita gem. GmbH schafft gute Voraussetzungen für die wirtschaftliche Zukunftssicherung der Einrichtungen und die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Einrichtungsangebote für Kinder und deren Familien.

Ziel der Arbeit in den Tageseinrichtungen ist es, den betreuten Kindern ihren individuellen Lebensweg als selbstbewusster gläubiger Mensch zu ermöglichen. Dabei ist es unser Wunsch, den Kindern und Familien die bestmöglichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsmöglichkeiten zu bieten. Das christliche Menschbild, das von der Würde des einzelnen Kindes und seinem Recht auf Bildung und Erziehung sowie Teilhabe ausgeht, ist Maßstab für unser Handeln. Unsere Kitas wollen insbesondere für suchende und fragende Familien unterstützende und bereichernde Angebote machen. Sie finden in unseren Einrichtungen Anregungen, Unterstützung und Ermutigung in Glaubens- und Lebensfragen.

Mit diesem Angebot sprechen unsere Kitas vor allem katholische Familien an. Sie stehen aber auch Familien mit anderen Konfessionen, Glaubensrichtungen und Weltanschauungen offen, die sich für die inhaltlich-konzeptionell katholische Ausrichtung und deren konkrete Ausgestaltung in der alltäglichen pädagogischen Praxis entscheiden.

Wir verstehen unsere Kitas als lernende Organisationen, die ihre Qualität fortlaufend und systematisch weiterentwickeln. Daher stellt die vorliegende Konzeption kein abgeschlossenes Werk dar. Sie besitzt eine lebendige Ausrichtung und orientiert sich bei der immer wiederkehrenden Überprüfung an den sich stetig verändernden Bedingungen.

Katharina Kasperkiewicz

Pädagogische Fachbereichsleitung

 

1.Pädagogische und religionspädagogische Leitlinien

Die (religions-) pädagogische Arbeit und das gesamte Handel in unserer Einrichtung basiert auf dem christlichen Menschenbild und dessen Wertvorstellungen unter Beachtung der Einzigartigkeit des Menschen als Ebenbild Gottes und somit auf der unbedingten Würde jedes Menschen. In der Personenwürde gründen die Rechte der Kinder, insbesondere ihr Recht auf ganzheitliche Bildung und Erziehung und ihr Recht auf Teilhabe. Ziel ist es, Kindern ihren individuellen Lebensweg als selbstbewusster gläubiger Mensch zu ermöglichen.

Das Kind ist Hauptakteur seiner (religiösen) Bildungsprozesse. Die dafür notwendigen Kompetenzen bringt das Kind mit. Die Religiosität bzw. Spiritualität des Kindes ist Basis der Bildung und Erziehung. In unserer Einrichtung kann das Kind in kindgemäßer Weise Glauben (er)leben, Angenommen-Sein und Freundschaften erfahren, die Welt entdecken und sich mit dem christlichen Glauben beschäftigen und auseinandersetzen.

Zum ganzheitlichen Verständnis von Bildung und Erziehung gehört insbesondere die religiöse Dimension. Sie ermöglicht es, Sinnzusammenhänge zu erfasse, die  das "Ganze" der Welt erschließen. Dabei bedarf es der pädagogischen Begleitung, die als planmäßig, reflektiertes Handeln, die für den Selbstbildungsprozess notwendigen Rahmenbedingungen zu Wohl des Kindes schafft.

Wir verstehen unsere Einrichtung als pastoralen Ort mit klaren familienpastoralen Auftrag, die in ihre örtliche Kirchengemeinde eingebunden ist.

Alle Kinder und deren Familien werden mit ihren unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Hintergründen als Bereicherung im Zusammenleben der Einrichtungsgemeinschaft wertschätzend erlebt und angenommen. Wir ermöglichen Austausch und Begegnung. Deshalb ist für uns die Offenheit für und der Respekt vor anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen selbstverständlich.

Wir verstehen uns des Weiteren als familienunterstützende Bildungseinrichtung und richten unsere Arbeit an den Bedürfnissen der Kinder und ihren Familien aus. Auf der Grundlage unserer Bildes vom Menschen entwickeln wir eine Kultur der Achtsamkeit insbesondere gegenüber den uns anvertrauten Kindern.

Religiöses Leben vollzieht sich bei uns im gesamten täglichen Leben. Wirt begleiten die Kinder und helfen ihnen mit Lebenssituationen fertig zu werden. Wir knüpfen an den Erfahrungen der Kinder an,; wie z.B. Helfen, Teilen, Trösten, Streiten.

Das Abbauen von Vorurteilen, d.h. Förderung der Toleranz und gegenseitiger Respekt ist eines unserer Leitmotive in der religiösen Erziehung.

Die Kinder sollen Lebensfreude entwickeln, damit sie sich wohlfühlen und Geborgenheit erfahren. Ein wichtiger Bestandteil in unserer religiösen Erziehung ist das gemeinsame Gebet. Dadurch bekommen die Kinder eine Beziehung zu Gott. Sie lernen die Erfahrungen, die sie in und mit ihrer Umwelt machen frühzeitig in das Gespräch mit Gott einzubringen.

Als katholische Einrichtung legen wir Wert auf die Verbundenheit zu unserer Kirchengemeinde. Damit unser Glaube glaubwürdig wird, braucht er die Gemeinschaft. In unseren Kindergottesdiensten erleben Kinder das Beten. Reden, Singen und Tanzen von Gott in der Gemeinschaft von Kindern, Eltern und anderen Erwachsenen.

Wir möchten Eltern ermutigen mit ihren Kindern zusammen Gott (wieder) zu entdecken.

In den Kindergottesdiensten lernen sie den Ort "Kirche" kennen. Sie spüren, dass es ein besonderer Raum ist, indem sie sich frei und ohne Scheu bewegen dürfen.

Unsere Kindergottesdienste sollen Feiern mit der ganzen Familie sein. Deshalb finden sie regelmäßig, an einem Sonntag, einmal im Monat in der Zeit von 10.15 Uhr bis ca. 11.00 Uhr statt, an dem alle Familienmitglieder teilnehmen können.

Durch die gute Kooperation im Pfarrverbund Lippstadt ergibt sich seit ca. 50 Jahren eine gemeinsame Vorbereitung und Durchführung der Kindergottesdienste unter Mitwirkung der Wortgottesdienstleiterinnen.

Als Aushang, im Familienzentrum und in der Kirche, im Pfarrbrief, aber auch in der Tageszeitung können Familien erfahren wann der nächste Kindergottesdienst in der Nicolaikirche stattfindet.

 

2.Kindeswohl

Der Gesetzgeber hat für die Kitas in den §§ 1 Abs. 3 und 8a SGB VIII den Kinderschutzauftrag festgeschrieben. Die Erfüllung grundsätzlicher Standards, wie räumliche, fachliche, wirtschaftliche und personelle Voraussetzungen ist für die Betriebserlaubnis unserer Kita verbindlich und wird über das Jugendamt als Aufsichtsbehörde überwacht. Ergänzend hat das Erzbistum Paderborn im Rahmen das Präventionsordnung Standards zum Schutz der Kinder formuliert, die sowohl vom Träger als auch von allen Mitarbeitenden einzuhalten sind.

Kinder vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen, ihre Rechte zu achten und ihre sozialen und emotionalen Kompetenzen zu fördern sind Pflichtaufgaben jeder Kita und daher zentraler Bestandteil der gesamten Konzeption. Auf diese Weise werden Resilienz und mögliche Schutzfaktoren betont und nicht nur die Risikofaktoren in den Mittelpunkt gestellt. Die Fachkräfte in unserer Einrichtung erleben die Kinder viele Stunden am Tag, sie haben regelmäßig Kontakt zu den Eltern und verstehen ihre Aufgabe im Sinne einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Die Fachkräfte sind sensibilisiert frühzeitig Anzeichen zu erkennen, die das Wohl des Kindes gefährden können. Sie unterstützen und beraten die Familie bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben, vermitteln Hilfe durch geeignete Fachkräfte und leiten ggf. konkrete Hilfen ein.

 

2.1 Prävention

Folgende Grundsätze schaffen einen verbindlichen Rahmen für die Anwendung präventiver Strategien zur Verhinderung von Kinderwohlgefährdungen, beispielweise körperliche oder seelische Vernachlässigung oder (sexualisierte) Gewaltanwendungen:

  • Mit Achtsamkeit wir darüber gewacht, dass Wertschätzung und Respekt in der Arbeit mit den Kindern, in der Zusammenarbeit mit den Eltern und im Umgang mit Mitarbeitenden und Vorgesetzten, auch und gerade in Belastungssituationen, gewahrt werden.
  • Die Kinder werden durch einen behutsamen Umgang mit Nähe und Distanz gestärkt. Ihre Grenzen werden geachtet.
  • Kinder und Eltern haben ein Recht auf Mitbestimmung und Beschwerde.
  • Pädagogische Handlungen und Entscheidungen werden transparent gestaltet.
  • Die Zuständigkeiten sind klar geregelt. Kinder und Eltern wissen an wen sie sich wenden können.
  • Alle Mitarbeitenden setzen sich verpflichtend für den Schutz des Kindeswohles ein.

Die Grundsätze schließen Handlungsschritte für den Fall, dass eine Gefährdung des Kindeswohls angenommen wird, mit ein.

Bei Hinweisen auf eine Gefährdung des Kindeswohls werden mindestens folgende Handlungsschritte durchlaufen:

  • Gefährdungen erkennen/Beobachtungen dokumentieren und überprüfen
  • Gefährdungsrisiko  abschätzen (ggf. mit Beratung einer "insoweit erfahrenen Fachkraft")
  • Schutzplan vereinbaren und umsetzen (mit Beteiligung der Erziehungsberechtigten der Kinder)
  • Beobachtungen fortlaufend dokumentieren
  • soweit der Schutzplan nicht umgesetzt wird  oder ausreicht, um die Kindeswohlgefährdung abzustellen, Einbindung des zuständigen Jugendamtes

Es besteht eine Vereinbarung zur Umsetzung des Schutzauftrages gemäß §8 und §72a Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII)- Kinder- und Jugendhilfe- zwischen dem Gemeindeverband Kath. Kirchengemeinden Hellweg als träger der Kindertageseinrichtung St. Nicolai und der Stadt Lippstadt- Fachbereich Jugend und Soziales- als Träger der öffentlichen Jugendhilfe (s. Anhang).

 

2.2 Personal

Alle Beschäftigten in unserer Kita sind  für Gefährdungen der Kinder durch Misshandlungen oder Missbrauch durch regelmäßige Schulungen von Seiten des Erzbistums Paderborn, je nach Verantwortungsbereich abgestuft, sensibilisiert. Sie legen nach der geltenden Präventionsordnung regelmäßig erweiterte Führungszeugnisse vor. Die Qualifikation der Fachkräfte wird durch entsprechende Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen gefördert und kontinuierlich weiterentwickelt (z.B. insoweit erfahrene Fachkraft nach §8a).

 

 2.3 Teamentwicklung

In unserer Einrichtung arbeitet pädagogisches Fachpersonal; Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen, Fachkräfte zur Inklusion, Fachkräfte päd. Frühförderung, Sprachpädagoginnen, zertifizierte Erzieherinnen für Papilio, zertifizierte Elternbegleiterinnen, ausgebildete Rettungsschwimmerinnen, Übungsleiterinnen für Wassergewöhnung, Übungsleiterinnen-C, Hauswirtschafterin und Praktikantinnen. Teilweise sind bei uns Jahres-,Wochen- und Tagespraktikanten in der Berufsausbildung zur Erzieher/in und Kinderpfleger/in sowie Vorpraktikanten und FOS-Schülerinnen tätig.

Dienstbesprechungen

Unsere Dienstbesprechungen finden einmal wöchentlich statt:

  • auf Gruppenebene
  • auf Einrichtungsebenen mit unserer Leitung
  • Dienstbesprechung Träger - Leitung/stellv. Leitung

Regelmäßige Arbeitstreffen

  • Leitungskonferenz der kath. Einrichtungen der Stadt Lippstadt
  • Leitungskonferenz der Kindertageseinrichtungen der Stadt Lippstadt mit dem Jugendamt
  • Leitungskonferenz der kath. Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH
  • Leitungskonferenz der Familienzentren in Lippstadt
  • QM - Zirkel - Treffen kath. Leitungen innerhalb Lippstadts

 

3. Raumnutzungskonzept

In der Eingangshalle unterteilt sich die Einrichtung in den ebenerdigen Teil der ehemaligen Kindergartengruppen und in einen großen Anbau auf zwei Etagen des ehemaligen Hortbereiches. 

Die Allerjüngsten, 10 Kinder im Alter von 0-3 Jahren sind im ebenerdigen Teil untergebracht, in Gruppen des Gruppentyps I befinden sich Kinder zwischen 2-4 Jahren. Auch diese befinden sich im ebenerdigen Teil. Kinder von 4 Jahren bis zum Schuleintritt (Gruppentyp III) erfahren ein "Offenes Konzept" auf der 2. Etage des ehemaligen Hortbereiches.

Die Infowand und Informationsbroschüren in der Eingangshalle bietet allen Eltern aktuelle Informationen. Zusätzlich können sich Familien auch im Elterncafe treffen, welches in der Zeit von 7.00 Uhr-17.00Uhr geöffnet ist. Im Elterncafe finden zusätzliche Themennachmittage statt, diese Termine werden in der örtlichen Presse bekannt gegeben.

Von 8.00-9.30 Uhr haben die Kinder aus allen Kindergartengruppen die Möglichkeit in der Halle zu frühstücken. Gern genutzt wird dieser Spielbereich, mit wechselnden Angeboten, um mit Kindern aus anderen Gruppen zu spielen. Die Halle ist ein Treffpunkt für Groß und Klein; gemeinsames Singen, Elternabende, Feste und Feiern. Hiertreffen sich alle zur Knusperrunde am Nachmittag.

An der Halle angegliedert sind drei Gruppen mit Differenzierungsräumen, Schlafräumen, Garderoben und Waschräumen.

Jeder Gruppenraum hat eine feste Grundstruktur. Wir verwirklichen aufgrund eines durchdachten Raumkonzeptes und harmonischen Farbgestaltung anregende Bildungsbereiche zu schaffen. Dafür stellen wir ausgewähltes Spielmaterial, die die Selbstbildungspotentiale anregen und sinnvolles Mobiliar zur Verfügung. Durch Ordnung und Struktur lassen wir die Kinder über ihre Sinne zur Ruhe kommen, denn ein entspannter Geist ist offen für neues. hierzu setzen wir bewusst und pädagogisch gut durchdachte Spielarrangements ein, die unsere Kinder zum Entdecken, erforschen und experimentieren einladen.

Für die Eltern befindet sich neben der Gruppentür eine Pinnwand mit gruppenspezifischen Informationen.

Von der Halle aus liegt rechts der lange, untere Flur.

Hier befindet sich das Büro der Leitung, die Ihnen gerne zur Seite steht. Im nächsten Raum befindet sich der neue Schlafraum der U2 Kinder. Neben diesem ist unsere Küche. Wir bekommen das Essen von der Integra Lippstadt geliefert. Im nächsten Raum befindet sich die Besuchertoilette. Dann kommt direkt die Garderobe von den Kindern der Gruppen aus der 2. Etage mit angrenzender Personaltoilette. Daneben liegt der Putzmittelraum.

Vor dem Treppenhaus ist der neu angebaute Bewegungsraum und Essensraum der Kinder aus der oberen Etage.

In der 1. Etage auf der rechten Seite befindet sich der erste Gruppenraum der Maxis.

Auf dem Flur ist ein neuer Wasch- und Toilettenraum, nach den neusten Kenntnissen über die kindliche Entwicklung, konzipiert worden. Dieser ist zentral mit einer Dusch- und Badegelegenheit für die Kinder ausgestattet und bietet ihnen die Möglichkeit diesen Raum täglich kreativ zu nutzen. Die unterschiedlichen hohen Waschbecken und Toiletten laden die Kinder ein, ihren Bedürfnissen entsprechend selbstständig zu nutzen.

Nach den Differenzierungsräumen geht es weiter zum 2. Gruppenraum der Maxis.

Im ausgebauten Dachgeschoss befindet sich das Personalzimmer und das Beratungszimmer des Familienzentrums.

Im Keller steht den Kindern ein zusätzlicher Bewegungsraum zur Verfügung.

Weitere Räume im Keller sind:

  • Heizungsraum
  • Waschkeller
  • Material- und Abstellräume

 

4. Grundsätze der Bildung und Förderung

Die Familien werden in ihrer Erziehungs- und Bildungsaufgabe durch die Kita unterstützt und ergänzt. Hierbei steht die Förderung des Kindes, orientiert an seinen individuellen Bedürfnissen, im Mittelpunkt. Die Zielsetzung der Zusammenarbeit mit den Eltern ist deshalb eine gelingende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Sie wird in einer partnerschaftlichen  Begegnung und mit gegenseitiger Wertschätzung praktiziert. Diers geschieht in einer Haltung der gegenseiteigen Toleranz, des Respekts, der Zugewandtheit und des gleichberechtigten Dialogs. Dabei sind die Eltern die Experten für ihre Kinder und das pädagogische Fachpersonal für die Gestaltung, Erziehung und Betreuung in der Einrichtung. wenn Kinder die Beziehung zwischen den Fachkräften und ihren Eltern als respektvoll und interessiert erleben, so kann es sich in der Einrichtung sicher und geborgen fühlen. Dies ist eine Grundvoraussetzung, damit die Kita als entwicklungsfördernder und anregender Lernort erfahren wird. Interkulturelle Eigenarten der Kinder und Familien werden geachtet. Grundlage für diese Erziehungspartnerschaft ist der regelmäßige und vertrauensvolle Austausch zwischen Eltern und Fachkräften.

4.1 Pädagogische Arbeit

Sinnvolle Handlungs- und Bewegungserfahrungen bieten den Kindern den Zugang zu allen Bildungsprozessen. Bewegungserfahrungen bilden die wesentliche Grundlage zu genereller als auch zu sprachlicher Kompetenz. Für den Bildungsprozess gestalten wir das Umfeld so, dass die Anlagen und Fähigkeiten des Kindes unterstützt und angeregt werden. Die Aufgabe der Bezugspersonen ist es diese Umgebungsbedingungen bereit zu stellen.

Bildung verstehen wir als einen sozialen Prozess, an dem Eltern, pädagogische Fachkräfte sowie Kinder beteiligt sind. Anknüpfend an das Bild des Kindes als aktiv lernendes, kompetent handelndes und soziales Wesen erfolgt Bildung selbst initiiert, ist jedoch auch abhängig von den Erfahrungen, die das Kind in der Auseinandersetzung mit seiner sozialen, dinglichen und kulturellen Umgebung macht.

Unser Bild vom Kind!

Wir sehen das Bild eines "kompetenten" Kindes, welches an den Vorgängen unserer Welt teilhat und dadurch sein Lernen selbst in die Hand nimmt. Dies macht es neugierig und mutig aus eigenem Antrieb heraus. Eigenmotivation und Freude unterstützen es dabei in seiner Selbstbildung.

Vorrangig entdeckt unser Kind durch Interaktionen mit anderen Menschen sein Welt. Es bildet sich vorwiegend durch das freie Spiel in der Auseinandersetzung mit Dingen und Situationen. Wir Erzieher sind in der Wechselbeziehung mit dem Kind, "Mit-Gestalter" seiner Welt; d.h. unsere Beziehung ist geprägt durch Vertrauen und gegenseitigem Respekt.

So lernen unsere Kinder

Unsere Einrichtung ist für Kinder und Eltern ein Ort der Geborgenheit an dem:

  • sich das Kind wohl und sicher fühlen kann
  • sich das Kind die Welt erschließen kann
  • das Bedürfnis nach Identifikation (groß und stark zu sein ) ausgelebt wird
  • das Kind auf vielfältige Art und Weise lernen kann = soziale Beziehungen zu leben
  • die Signale des Kindes angenommen und verstanden wird
  • Freiraum gewährt wird, indem das Kind, Kind sein darf
  • feste Bezugspersonen kontinuierlich Beziehungen möglich machen
  • wir uns an Bedürfnissen der Familie (Eltern, Geschwister) orientieren
  • Eltern sich wohl fühlen

… ein Ort, wo das Kind seelische und körperliche Wertschätzung erfährt

  • wo dem Kind Wertschätzung und Anerkennung entgegen gebracht wird um ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln = Nähe und Distanz

… ein Ort, wo Kinder sich spielend Er- und Ausleben können

  • Raum und Zeit
  • wo das Kind sich mit anderen Kindern und mit dem Spielmaterial selbst handelnd auseinandersetzt
  • wo das Kind ermuntert wird, sich etwas zu zutrauen
  • der Prozess wichtiger als das Produkt ist
  • wo das Kind Grenzen anzuerkennen lernt
  • Kinder sich vergleichen, messen können
  • adäquate Rahmenbedingungen geschaffen wurden
  • Leistung nicht gekoppelt mit der Wertigkeit des Menschen ist
  • Freude am Tun im Vordergrund steht

… ein Ort, wo Kinder so angenommen werden, wie sie sind

  • die Ethik des Verstehens = Bemühen das Kind in seiner Lebensäußerung zu verstehen
  • Eltern und Kinder zu akzeptieren
  • das Kind ist selber Akteur seiner Entwicklung
  • das Kind, in der Lebensphase, in der es sich befindet, zu begleiten
  • dass,das Kind seine Gedanken und Gefühle erlebt und wahrnimmt (Papilio)
  • Trost und Unterstützung bei der Suche nach Lösungen und der Bewältigung von Ereignissen erfahren

 

Forderungen eines Kindes an seine Eltern/Erzieherinnen

Verwöhne mich nicht!

Ich weiß genau, dass ich nicht alles bekommen kann - ich will dich nur auf die Probe stellen.

Sei nicht ängstlich, im Umgang mit mir standhaft zu bleiben!

Mir ist Haltung wichtig, weil ich mich dann sicherer fühle.

Weise mich nicht im Beisein anderer zurecht, wenn es sich vermeiden lässt!

Ich werde deinen Worten mehr Bedeutung schenken, wenn du zu mir leise und unter vier Augen sprichst.

Sei nicht Fassungslos, wenn ich zu die sage: "Ich hasse dich!"

Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht, meine Pläne zu durchkreuzen.

Bewahre mich nicht immer von den Folgen meines Tuns!

Ich muss auch peinliche und schmerzhafte Erfahrungen machen, um innerlich zu reifen.

Meckere nicht ständig!

Ansonsten schütze ich mich dadurch, dass ich mich taub stelle.

Mache keine vorschnellen Versprechungen!

Wenn du dich nicht an deine Versprechungen hältst, fühle ich mich im Stich gelassen.

Sei nicht inkonsequent!

Das macht mich unsicher und ich verliere mein Vertrauen zu dir.

Unterbrich mich nicht und höre mir zu, wenn ich Fragen stelle!

Sonst wende ich mich an andere, um dort meine Informationen zu bekommen.

Lache nicht über meine Ängste!

Sie sind erschreckend echt, aber du kannst mir helfen, wenn du verswuchst mich ernst zu nehmen.

Denke nicht, dass es unter deiner Würde sei, dich bei mir zu entschuldigen!

Ehrliche Entschuldigungen erwecken bei mir ein Gefühl von Zuneigung und Verständnis.

Versuche nicht, so zu tun als seist du perfekt oder unfehlbar!

Der Schock ist groß, wenn ich herausfinde, dass du es doch nicht Bist.

Ich wachse so schnell aus und es ist sicher schwer für dich, ,mit mir Schrott zu halten. Aber jeder Tag ist wertvoll, an dem du es versuchst.

 

 

4.2 Pädagogischer Alltag

Tagesablauf für die Kinder ab 2 Jahren

Um 7.00 Uhr können die Kindergartenkinder in den Frühdienst gebracht werden.

In der Zeit von 8.00-9.00 Uhr haben die Eltern die Möglichkeit ihre Kinder zu bringen. Die Kinder vom Frühdienst gehen dann in ihre Gruppen.

Während des gesamten Vormittags findet das Freispiel und die geplanten Angebote statt.

Je nach Ablauf des Tages wird das Spiel im Freien oder mit einem Abschlusskreis in den Gruppen beendet.

In der Zeit von 12.00-12.30 Uhr werden die Kinder mit der geteilten Betreuungszeit abgeholt.

Ab 11.30 Uhr wird in einer entspannten Atmosphäre das Mittagessen eingenommen. Die jüngeren Kinder gehen gemeinsam mit einer Erzieherin in den Schlafraum zur Mittagsruhe oder werden im ruhigen Spiel/Vorlesen in den Gruppen betreut.

Ab 14.00 Uhr sind die einzelnen Gruppen wieder geöffnet. So haben die Kinder die Möglichkeit in ihren Gruppen, als auch gruppenübergreifend zu spielen. Um 15.00 Uhr bieten wir den Kindern eine Zwischenmahlzeit (Knusperrunde) an.

Ab ca. 16.00 Uhr beginnt die Abholzeit. Kinder mit Blockbuchungszeiten werden um 14.30 Uhr abgeholt.

Tagesablauf für die Kinder unter 2 Jahren

Unsere Krippenkinder haben jederzeit individuell die Möglichkeit Ruhe- und Wachzeiten auszuschöpfen. Hier bietet sowohl eine Ruhemöglichkeit im Gruppenraum, als auch ein angegliederter Schlafraum die notwendigen Rahmenbedingungen, dass die Kinder sich physisch als auch psychisch regenerieren können.

 

Bedeutung und Stellenwert des Spiels

Das Freispiel

Das Freispiel hat in unserer Einrichtung eine hohen Stellenwert, da das Kind zum ersten Mal Außerhalb der Familie seine eigene Persönlichkeit vertritt, in dem es sich mit gleichaltrigen Kindern handelnd auseinandersetzt.

Befriedigung der eigenen Bedürfnisse

Gerade hier kann es seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und umsetzen, wobei es Kreativität und Eigeninitiative entwickelt.

Selbstvertrauen finden

Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder ihr eigenes Selbstvertrauen finden, in dem sie sagen lernen: "Das schaffe ich, das habe ich gut gemacht, das kann ich."

Meistern schwerer Situationen

Wir geben unseren Kindern Freiräume, risikoreiche Situationen selber einzuschätzen und zu meistern, z.B. Klettern-runterfallen.

 

Gezielte Angebote

Um unsere Ziele erreichen zu können, brauchen Kinder wechselnde Angebote. Diese variieren ständig, müssen ergänzt oder neu geschaffen werden, da sich die Bedürfnisse und Lebenswirklichkeiten der Kinder ändert. Beim gezielten Spielangebot tritt - ausgehend von pädagogischen Vorüberlegungen - der situationsorientierte Ansatz in den Vordergrund gestellt.

Die Themen bei den Angeboten orientieren sich sowohl an der Lebensumwelt der Kinder als auch an der Jahreszeit und den christlichen Festen.

Projektarbeit

Gerade in unserer Projektarbeit mit allen Kindern kommt Partizipation zum tragen, denn sie ist für uns mehr als partielle Beteiligung. zusätzlich werden gemeinsam mit den Vorschulkindern Aktivitäten entwickelt. Ziel ist es hier allen Vorschulkindern die Teilnahme an interessanten Aktionen entwickelt. Ziel ist es hier allen Vorschulkindern die Teilnahme an interessanten Aktionen zu ermöglichen. Projekte werden über einen längeren Zeitraum in einer feststehenden Kleingruppe intensiviert durchgeführt.

Projektarbeit:  z.B. naturwissenschaftliche Experimente, Schulbesuch, Exkursionen

 

4.3 Bewegung

Kinderwelt ist Bewegungswelt! Bewegung = Bildung

Bewegung ist mehr, ist ganzheitlich und übergreifend zu betrachten. Sie umfasst körperliche Aktivität und Entspannung ebenso wir die Wahrnehmung und das erleben mit allen sinnen. Entsprechend umfasst sie sowohl körperlich-motorische und emotionale als auch kognitive und soziale Erfahrungen. Aus gesundheitspädagogischer Sicht leistet Bewegung lebenslang einen unerlässlichen Beitrag zum Aufbau und Erhalt innerer und äußerer Ressourcen bzw. Schutzfaktoren. Aus diesem Grund liegt uns tägliche Förderung der Bewegung innerhalb wie außerhalb des Hauses sehr am Herzen. Unser Naturspielplatz bietet sehr vielfältige Angebote der Bewegung, wie z.B. die Möglichkeit der Rotation, Schaukeln, Klettern, balancieren, Matsch- und Wasserbereich, Rutschen, Barfußpfad, Rundwege für Roller, Laufrad, Bobbycar etc.

 

4.4 Inklusion

Inklusion von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen und/oder Kinder , die von einer Behinderung bedroht sind

Jedes Kind hat seine speziellen Bedürfnisse, auf die wir reagieren. wir sehen jedes Kind als gleichwertig wichtig für die Gemeinschaft an und heben seine besonderen Stärken und Fertigkeiten hervor. Unsere Inklusionspädagoginnen unterstützen alle Mitarbeiter in der Art, dass sie auf jedes Kind individuell reagieren können und den Kindern die Möglichkeit bieten ihnen in lebenspraktischen Fähigkeiten Hilfestellungen zu geben. Durch Psychomotorische Angebote und Entspannungstechniken, als auch im pädagogischen Alltag sind wir bestrebt, die soziale Interaktion zu fördern und jedes Kind in die Gesamtgruppe zu integrieren.

An erster Stelle steht, dass sich das Kind angenommen und wohlfühlt. Diese vertrauensvolle Beziehungsarbeit bildet den Grundstein unserer gemeinsamen Erziehung.

Unsere Inklusionspädagoginnen stehen im fortwährenden Austausch mit den Eltern und den jeweiligen Therapeuten. Durch regelmäßigen persönlichen Kontakt zu ihnen bekommt sie ein umfassendes Bild des einzelnen Kindes. Durch die schriftliche Schweigepflichtentbindungen der Eltern, ist es ihr möglich, Einsicht in die Berichte der Therapeuten, bzw. der Institutionen wie z.B. das Sozialpädiatrische Zentrum, Kinderärzten, Frühförderstellen zu nehmen und spezielle Elemente von Fördermaßnahmen in die pädagogische Planung mit einfließen zu lassen. Gemeinsame Behörden- und Ärztegänge gehören ebenso selbstverständlich dazu, wie regelmäßige Entwicklungsgespräche mit den Eltern.

Durch halbjährliche Hilfeplangespräche, vereint mit Eltern und allen Beteiligten, die zur Unterstützung der Entwicklung des Kindes mitwirken, können neue Ziele formuliert und angestrebt werden.

Im gemeinsamen Austausch mit anderen inklusiv arbeitenden Tageseinrichtungen wird immer über Aktuelles informiert. Verschiedene Themen und verschiedene Anlässe bespricht und erarbeitet der Arbeitskreis zur "gemeinsamen Erziehung". Die Vernetzung zwischen der Kindertagesstätte St. Nicolai und der Lebenshilfe Lippstadt (es besteht eine Kooperationsvertrag) bietet die Möglichkeit hilfesuchenden Eltern die bestmögliche Beratung und Hilfe anzubieten. In beratender Tätigkeit steht uns als Kooperationspartner der Mobile Fachdienst der Lebenshilfe Lippstadt durch Hospitationen in unserer Einrichtung zur Seite.

Integrativ betreute Kinder durchlaufen die Schuluntersuchung. Dort wird festgestellt, ob das Kind schulfähig ist, oder ein AOSF Verfahren (Zurückstellung), im Einvernehmen mit den Eltern, beantragt werden sollte. Unsere Integrationspädagoginnen begleiten das schulfähige Kind zum Erstbesuch der zukünftigen Schule. Dort bekommt das Kind die Möglichkeit erstmals Schulräumlichkeiten anzusehen und Einblick in den dort bestehenden Schulalltag zu bekommen.

Wenn Kinder im sozialen Miteinander stehen und Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam spiele, verstehen wir dies als Inklusion.

Somit steht für uns , das mit der Inklusion verbundene Ziel an erster Stelle, allen Kindern unabhängig von ihren Möglichkeiten und Einschränkungen eine gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten und unser Konzept so weiter zu entwickeln, dass alle Kinder die Unterstützung und Förderung erfahren, die ihnen eine uneingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

 

4.5 Papilio

Was ist "Papilio"?

Papilio ist ein wissenschaftlich begründetes Programm für Kindergärten, dessen Wirksamkeit belegt ist. Es fördert das prosoziale Verhalten (z.B. teilen, anderen helfen) und die emotionalen Kompetenzen (z.B. mit Gefühlen umgehen und auf andere eingehen können) der Kinder.

Papilio unterstützt Erzieherinnen sowie Eltern bei ihrer immer anspruchsvolleren Aufgabe, Kinder zu begleiten und zu fördern. Das pädagogisch-psychologische Programm Papilio versucht Kinder so zu stärken, dss sie mit schwierigen Situationen im Leben besser umgehen können.

Warum schon im Kindergarten und auch bei uns?

Aus Studien wissen wir heute, dass bestimmte Bedingungen im frühen Kindesalter bis ins Jugendalter hinein zu massiven Problemen führen können, z.B. Verhaltensprobleme (aggressives Verhalten) oder mangelndes Einfühlungsvermögen. Wenn sich Kinder und Jugendliche nicht in andere hinein fühlen können kann es sein, dass sie mit eigenen Problemen schlecht zurecht kommen und auch andere verletzen.

Auf der anderen Seite kennen wir auch die Bedingungen einer positiven Entwicklung von Kindern und deshalb fördern wir mit Papilio wichtige Entwicklungsschritte, mit anderen Kindern gut zurecht zu kommen und zu lernen, mit den eigenen Gefühlen umzugehen.

Dafür ist die Kindertagesstätte besonders gut geeignet.

Papilio legt damit einen wichtigen Grundstein für eine gesunde psychosoziale Entwicklung von Kindern und leistet auf diese Weise langfristig einen Beitrag zur Vorbeugung von Sucht und Gewalt.

Was passiert bei Papilio?

In unserer Kindertagesstätte werden Maßnahmen von Papilio für Kinder, Erzieherinnen und Eltern umgesetzt. 

Die Kinder spielen und lernen bei:

  • Spielzeug macht Ferien Tag
  • Paula und die Kistenkobolde
  • Meins-deins, deins-unser Spiel

Die Eltern der Papilio Kinder, wie auch die Erzieherinnen können sich auf Elternabenden informieren und lernen, wie sie den Alltag durch ihr Erziehungsverhalten besser gestalten können.

Wie funktioniert Papilio bei uns: Alles wird spielerisch und kindgerecht umgesetzt, so dass Papilio den Kindern richtig Spaß macht und mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit wird.

4.6 Familienzentrum

Weiterentwicklung von der Tageseinrichtung zum Familienzentrum

Im August 2008 machte sich unsere Tagesstätte auf, ein Zentrum für alle Familien in der Kernstadt von Lippstadt zu werden, auch für diejenigen, die noch kein Kind in unserer Einrichtung haben. Schon früher hat sich unsere Einrichtung im besonderen Maße für die Bedarfe der Familien eingesetzt und Hilfestellungen für Familien im gesamten Ortsteil angeboten (Notplätze, erweiterte Öffnungszeiten...). Unser vorrangiges Ziel ist es, ein niederschwelliges, ganzheitliches Angebot familienunterstützender Leistungen zur Verfügung zu stellen, welches für alle Familien im Sozialraum gut zugänglich ist, auch für Familien mit Zuwanderungsgeschichte.

Elternbefragung

Um in besonderen Maße die Eltern an der Entwicklung zum Familienzentrum teilhaben zu lasse, führten wir im Winter 2007 eine Elternbefragung zum Familienzentrum durch, um noch näher auf die individuellen Bedürfnisse der Familien in der Umgebung eingehen zu können.

Ein besonderes Augenmerk legten die Eltern auf die Öffnungszeiten und zusätzlichen Angebote in der Kindertagesstätte (z.B. Krabbelgruppe, Väter-Kind-Gruppe, Babysitterkartei…). Aus diesen Anliegen heraus findet jetzt außerhalb der Öffnungszeiten einmal wöchentlich eine Eltern-Kind-Gruppe statt. Je nach Teilnehmerzahl gibt es eine zusätzliche Interessengruppe von Vätern mit ihren Kindern, die sich auch einmal in der Woche zum Austausch und Spielen treffen.

Kontinuierlich ist dem Familienzentrum daran gelegen, die Bedarfe der Eltern im Sozialraum zu erfassen. Regelmäßige Elternbefragungen unterstützen uns dabei.

Elterncafe

Bei uns können nicht nur Eltern, sondern auch Großeltern oder andere Angehörige unser Elterncafe während der gesamten Öffnungszeit nutzen. Besonders unsere Ein-Elternfamilien nutzen diese Möglichkeit um sich hier zu treffen und auszutauschen. Zusätzlich bieten wir in diesem Forum "Infonachmittage" zu bestimmten Themen an (z.B. "Das mach ich doch mit Links", Kinderkrankheiten natürlich behandeln, Sprachentwicklung,...). Des Weiteren besteht die Möglichkeit in diesem rahmen auch abends Treffen von verschiedenen Gruppierungen oder Themen stattfinden zu lassen.

Elternberatung

Unser Familienzentrum hat mehrere ausgebildete Elternbegleiter, die ein zeitnahes Beratungsgespräch in Notfällen anbieten können.

Verschiedene Fragen können beantwortet werden, z.B.:

  • Ich bin alleinerziehend, woher kann ich Hilfe bekommen?
  • Mein Kind braucht besondere Förderung, wo finde ich Angebote?
  • Nach Trennung/Scheidung: Wie geht es weiter? Wie regeln wir den Umgang?
  • Ich habe einen Stapel an Formularen bekommen. Wie fülle ich ihn aus?
  • Was kann ich in schwierigen Entwicklungsphasen meines Kindes erzieherisch leisten?
  • Wo kann ich finanzielle Unterstützung bekommen? Wie beantrage ich sie?

Eltern können sich über bestehende Hilfsangebote der Stadt informieren, über die Unterstützung verschiedener Art und gleichzeitig Hilfe bei der Inanspruchnahme von Angeboten erhalten. Dies kann bedeuten, an die richtigen Ansprechpartner für den Bereich weitervermittelt zu werden. Jede Beratung wird streng vertraulich behandelt und unterliegt der Schweigepflicht.

Elternbildung

Während der Kindergartenzeit bieten wir im Pastoralverbund eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Hilfestellung für das Leben mit Kleinkindern" an. Hierbei können sich Eltern über Themen der Erziehung, Religion bis hin zur Gesundheit kostenlos informieren.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit Kompetenzen der Eltern durch den Elternkurs "Kess-erziehen" zu stärken. Dieser Elternkurs unterstützt Eltern in einem demokratischen, respektvollen Erziehungsstil. Er gibt Eltern Gelegenheit, innezuhalten un die Beziehung zu ihrem Kind in den Blick zu nehmen. Hier erhalten Eltern Impulse, wie sie das Miteinander stärken und das alltägliche Erziehungsgeschehen gezielt weiter entwickeln können.

Weiterentwicklung des Familienzentrums zum "Haus der Generationen"

Besondes hervorheben möchte wir in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit dem Seniorenwohnheim St. Annen Rosengarten. Hier wurde im August 2008 das Projekt "generationsübergreifendes Gedächtnistraining" gestartet, das die Senioren und Kinder unsere Gemeinde wieder näher zusammenbringt. Einmal im Monat treffen sich Senioren/innen mit unseren Kindern um gemeinsam Übungen und Spiele zum Gehirnjogging zu meistern. Ziel des Projektes ist es, durch Wahrnehmung-, Konzentration- und Bewegungsübungen die Sinnesorgane zu schärfen.

Vernetzung mit anderen Institutionen

  • KBS Katholische Bildungsstätte für Erwachsenen- und Familienbildung, Kurse zur Elternbildung "Kess erziehen" im Quartal, Qualifikation zur Kindertagespflege, Infoveranstaltungen im Elterncafe
  • Kirchengemeinde, Elternveranstaltungen zum Thema "Hilfestellung für das Leben mit Kleinkindern"
  • Stadt Lippstadt, Amt für Jugend und Soziales
  • den unterschiedlichen Schulen/Ausbildungen
  • Frühförderstelle
  • SKF Sozialdienst katholischer Frauen/Tageselternvermittlung und Ausbildung
  • Erziehungsberatung
  • Gesundheitsamt des Kreises Soest "Gesund Groß werden"
  • LTV- reAktiv-FOrum
  • Kath. Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen
  • SKM Sozialdienst kath. Männer, Migrations- und Integrationsberatung
  • AHA Jobcenter Arbeit Hellweg Aktiv
  • DJK- Sportverband Diözesanverband Paderborn e.V.

Ausblick

Die Weiterentwicklung der Einrichtung zum Familienzentrum ist ein stetiger Prozess, der beständig reflektiert und auf veränderte Bedarfsanlagen aktualisiert werden muss. Hier muss auch in Zukunft genau geschaut werden welche Angebote neu zu schaffen oder welche Vernetzungen notwendig sind.

4.7 Wassergewöhnung/Anfängerschwimmen

Wasser ist für uns ein Element der Bewegung. Das Kind experimentiert, erforscht und lernt bei uns Wasserspaß im Waschraum. Durch die unterschiedlichsten Angebote mit allerlei Materialien, wie Seife, Schaum, Duft, Schwämmen, Behältnissen u.v.m. werden vielfältige Sinneserfahrungen ermöglicht. Die vielseitigen Inhalte der Wassergewöhnung sehen wir unter anderem in der Auseinandersetzung des Kindes mit dem Element Wasser. Wir vermitteln durch unsere wöchentlichen Schwimmbadbesuche mit einer Kindergruppe bis zu 12 Vorschulkindern ein Erleben eines ganzheitlichen Wassergefühls. Besonders wichtig ist es uns dabei den Kindern die Angst vor dem Element Wasser zu nehmen. Die Kinder erfahren beim Tauchen nachhaltige Erfolgserlebnisse und zeigen dabei Mut und Stolz, wenn ihnen dieses geling. Eines der wesentlichsten Ziele ist die Vermittlung von Bewegungsfreude und Möglichkeit zur vielseitiger Bewegungserfahrung.  Unsere zertifizierte Erzieherinnen vermitteln Schwimmtechnische Grundelemente wie z.B. Strecken, Gleiten, Schwimmlage, Beinarbeit und Atmuing und einfache Baderegeln. Die Durchführung unseres kontinuierlichen Kurses ist eine Vorbereitung für sicheres Schwimmen.

 

4.8 Gesunde Ernährung

Essen und trinken nimmt in unserer Einrichtung einen hohen Stellenwert ein. Um eine gesunde Ernährung zu unterstützen bieten wir unseren Kindern den magischen Obstteller an. Hier haben sie die Möglichkeit täglich frisches Obst zu sich zu nehmen. Um die Eltern mit in diesen Prozess einzubinden, werden wir durch das Projekt "Tiger-Kids" von der AOK unterstützt. Einmal wöchentlich findet gruppenübergreifend ein Müsli-Frühstück statt, hierbei können die Kinder selber entscheiden, welche Zutaten sie auswählen.

In Trinkstationen stehen den Kindern den ganzen Tag über Stilles Wasser, ungesüßter Tee als auch Milch zur Verfügung.

Zu besonderen Anlässen (Geburtstag, Karneval, Ostern...) wird die große Festtafel zum gemeinsamen Frühstück gedeckt. Die Kinder werden bei der Vor- und Zubereitung mit ein bezogen.

Das Einnehmen des Mittagessens ist ein wichtiger Bestandteil unserer päd. Arbeit. Demnach ist es ein wesentliches Ziel, dass Essen in der Gemeinschaft als schönes Erlebnis zu erfahren. 2/3 aller Kinder, die die Einrichtung besuchen bekommen ein vollwertiges Mittagessen, d.h. kindgerecht und vitaminreich. Dabei achten wir darauf, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen, welche möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt in der gewohnten Umgebung stattfindet. Die Kinder lernen bei uns die westlich geprägte Esskultur kennen. Sie lassen sich auf etwas "Neues" ein, indem sie z.B. unbekanntes probieren, und lernen den eigenen Geschmack zu entwickeln. Soweit es ihnen möglich ist, nehmen sie ihr Essen selbstständig ein, wodurch die Selbstsorge gefördert und Selbsteinschätzung erlernt wird. Dabei übernehmen sie für sich und Andere Verantwortung. Die pägd. Fachkräfte nehmen als Vorbild am Essen teil.

 

4.9 Ruhephase

Durch die Umbaumaßnahmen entstanden unter anderem zusätzliche Schlafräume, in denen jedem Tagesstättenkind die Möglichkeit geboten wird, sein eigenes Bett mit Bettzeug zu finden. Die Ruhephase findet in der Zeit von ca. 12.30-14.00 Uhr statt. Den Kindern unter 3 Jahren wird zusätzlich die Möglichkeit geboten, ihr individuelles Schlafbedürfnis jederzeit auszuleben.

 

4.10 Das letzte Jahr vor der Einschulung

Je nach Entwicklungsstand der Kinder, haben diese die Möglichkeit, frühstens ab dem 4. Lebensjahr in die Vorschulgruppe zu wechseln. Diese ist auf der 2. Etage des Familienzentrums untergebracht. Hier wird ein offenes Raumkonzept umgesetzt. So gibt es dort zur Zeit einen Kreativraum, einen Rollenspielraum, einen Konstruktionsraum und einen raum für Gesellschaftsspiel und Literacy. Auf der unteren Etage haben die Kinder ihre Garderobe und ihren Frühstücks-, als auch Mittagessen- und Knusperrundenraum. Hier melden sich die Kinder an, welche erst ab 8.00 Uhr ankommen. Grundlage für all unser Handeln ist die gemeinsame Bildungspartnerschaft von Eltern-Kind- Erzieher. Nach der UN-Konvention (1992) soll ein Kind umgeben von Glück, Liebe und Verständnis in einer Familie aufwachsen. Erziehung und Bildung sind darauf gerichtet, seine Persönlichkeit, seine Begabung und seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung zu bringen. Dazu braucht es Anerkennung, die gefühlsmäßige Seite, Anregung, die motivierende Seite und Anleitung, die steuernde Seite der Erziehung. Diesen Weg gehen wir gemeinsam.

In Anlehnung an Prof. Dr. Klaus Hurrelmann befolgen wir dabei folgende Grundsätze:

  • Kinder wollen Kinder sein
  • Alle wollen lernen
  • Jeder ist gut in irgendetwas
  • Niemand wird beschämt
  • Niemand wird zurückgelassen
  • Dass Kinder ihre Potentiale ausschöpfen ist eine Frage der Würde
  • Bildung ist der Schlüssel zur Integration

Was Kinder vor der Einschulung brauchen 

Alle Kinder wollen lernen,... aber Wissen muss von Ihnen selbst erlebt werden!

Dabei sorgen sowohl die Eltern, als auch die Erzieher, als Bezugsperson/Vorbild/Ansprechpartner/Vorleser/Mitspieler/Mutmacher/Motivator/als auch Lernbegleiter und Lernbereiter... für eine lern- und entwicklungsfördernde Umwelt nach dem Leitspruch:

"Kinder sind keine Fässer, die gefüllt werden , sondern Feuer, die entfacht werden wollen." (Michel de Montaigne, frz. Gelehrter 1533-1592)

Unsere Kinder brauchen das Spielen, denn dabei lernen sie, sich was auszudenken..., sich allein zu beschäftigen..., sinnliche Erfahrungen zu machen..., etwas zu bewegen..., kreativ zu sein...,etwas zu erschaffen... und zu leisten. Unsere Kinder brauchen andere Kinder, denn mit ihnen lernen sie, sich etwas auszudenken..., mit anderen auszukommen..., etwas klar auszudrücken..., sich selbst einzuschätzen..., Wer bin ich?... Was kann ich?...auf andere Rücksicht zu nehmen,...aufmerksam zu sein..., sich zu bewegen... Unsere Kinder brauchen die Natur, denn dort lernen sie, sich etwas auszudenken..., aufmerksam zu sein..., sich einzuschätzen..., Rücksicht zu nehmen..., die Umwelt zu schützen.

 

5. Sprachförderung

Um die kindliche Lebenswirklichkeit ausreichend zu berücksichtigen haben wir Erfahrungen gemacht, dass die Sprachbildung dann erfolgreicher ist, wenn sie auf den individuellen Fähigkeiten der Kinder aufbaut und authentische sowie sprachanregende Situationen als Grundlage für Kommunikation und Interaktion der Kinder untereinander nutzt.

Dabei gilt es die Sprechfreude der Kinder zu erhalten oder zu wecken und Handlungsbegleitend ihre sprachlichen Kompetenzen weiter zu entwickeln. Diese Neuausrichtung unserer Sprachbildung im Sinne eines durchgängigen Prinzips in der Kindertageseinrichtung impliziert ein verändertes Vorgehen bei der Beobachtung und Dokumentation als auch Umsetzung in den Alltag der Sprachentwicklung der Kinder. 

Das heißt, wir beobachten unsere Kinder im pädagogischen Alltag mit dem Zierl den Sprachentwicklungsverlauf eines Kindes kontinuierlich zu dokumentieren und darüber hinaus auch den speziellen Förderbedarf zu erkennen. Wichtig ist uns dabei, den positiven Blick auf die Stärken und sprachlichen Kompetenzen der Kinder zu legen.

Uns geht es dabei um das Achten und Beachten der Interessen und Bedürfnisse der Kinder. Ihre individuellen Ausdrucksformen, ihre Besonderheiten besonders unter der Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen.

Bei uns ist Sprache eine Schlüsselkompetenz auch in Bezug auf alle anderen Bildungsbereiche und unter Berücksichtigung eines Bildungsverständnisses, welches das Kind als aktiver Gestalter seiner Bildung und Entwicklung betrachtet.

Dieser Prozess, der geprägt ist durch die aktive sinnliche Aneignung der Welt, ist eingebettet in soziale Interaktion des Kindes mit seiner Umwelt. Grundlage dieser sozialen Interaktionen ist die Fähigkeit des Kindes, Beziehung zu anderen aufzunehmen und sich mit ihnen zu verständigen. Dies geschieht vom ersten Lebenstag an über verbale als auch nonverbale Ausdrucksmittel. Mimik und Gestik als Mittel der Körpersprache sind kulturspezifisch begründet persönliche Ausdrucksmittel, die im sozialen Kontext erworben werden. Sprache baut nach diesem Verständnis auf Dialogreichen, sinnhaften Interaktionen auf, in denen an das Interesse und die Bedürfnisse des Kindes angeknüpft wird.

Entwicklungspsychologisch betrachtet sind Körpererfahrungen Voraussetzungen für den Spracherwerb. Mit der Erweiterung des Bewegungsradius in der kindlichen Entwicklung macht das Kind neue, über den Leib erfahrende Entdeckungen in der sozialen und materiellen Umwelt, die als Repräsentationen in der verbalen Sprache wieder auftauchen und schließlich aktiv verwendet werden.

Aus diesem Grund stehen Bewegung und Sprache als Einheit im Vordergrund

 

6. Dokumentation

Basis für die Bereitstellung bedürfnisorientierter und anregender Entwicklungs- und Lernumgebung sind ressourcenorientierte und ganzheitliche Beobachtungen der Lernprozesse und Fortschritte aller Kinder. Die Beobachtungen werden dokumentiert und die gewonnen Erkenntnisse werden reflektiert, im die Kinder in ihrer individuellen Entwicklung Schritt für Schritt zielgerichtet begleiten zu können. 

Die pädagogischen Fachkräfte bieten den Eltern einen regelmäßigen und wechselseitigen Austausch über die Entwicklungsprozesse ihres Kindes an.

Beobachtung und Dokumentation sind für uns eine wesentliche Grundlage unserer pädagogischen Arbeit mit den Kindern. Sie geben Einblick in die Lern- und Entwicklungsprozesse der Kinder und sind hilfreich um die pädagogischen Angebote festzustellen und weiter zu entwickeln. Beobachten ist ein Hinweis wie wir den Kindern begegnen. Um eine angemessene individuelle Bildungs- und Entwicklungsbegleitung unserer Kinder zu erreichen, sowie eine gute Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern umzusetzen sind Beobachtung und Dokumentation ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags. Wir nutzen unter anderem das individuelle Portfolio, in welchem der Weg des eigenen Lernens aufgezeichnet wird und die Meilensteine der kindlichen Entwicklung festgehalten werden.

Durch Beobachtung und Dokumentation erfassen wir den individuellen Entwicklungsprozess des Kindes, mit dem Fokus auf seine Stärken. Diese Dokumentation dient als Grundlage für Entwicklungsgespräche. dabei werden die zukünftigen Bildungsziele mit den Erziehungspartnern heraus gearbeitet. Des Weitern benutzen wir als Dokumentationsinstrument BaSiK (Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen) von Prof. Dr. Renate Zimmer. Außerdem wird in der gesamten Einrichtung die Entwicklungsbeobachtung-Dokumentation von Ulrike und Franz Peterman als weiters Instrument eingesetzt.

 

7. Zusammenarbeit mit Eltern

Die Zusammenarbeit mit den Eltern wird in unserer Kindertageseinrichtung seit jeher großgeschrieben.

Eingewöhnung

Unsere Leitsatz: "Bindung geht vor Bildung"

Gerade für Kinder unter 3 Jahren ist es vorrangig eine stabile, emotionale Beziehung als Grundbasis aufzubauen. Aufgrund dessen orientieren wir uns an dem Berliner Eingewöhnungsmodell. Hierbei ist die Individualität jedes einzelnen Kindes hervorzuheben.

Um den Übergang aus der Familie in die Kindertageseinrichtung ist für jedes Kind eine große Herausforderung. Das Kind muss sich an eine neue Umgebung anpassen, manchmal erstmals zu fremden Personen eine neue Beziehung aufbauen, sich an einen andersartigen Tagesablauf uns an eine täglich mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen. All diese Veränderungen können beim Kind Stress erzeugen. Deshalb legen wir auf die Gestaltung der Eingewöhnungszeit und für das künftige Wohlbefinden des Kindes einen großen Wert. Mit einem speziellen Eingewöhnungskonzept (Berliner Modell) unter Einbeziehung der Eltern versuchen wir, dem Kind den Übergang zu erleichtern. Gute eingewöhnte Kinder fühlen sich in der Krippe wohler, sie entwickeln sich besser, sind neugieriger, damit lernbereiter und meist weniger krank.

Beziehungsgestaltung

Selbstverständlich stehen die Erzieherinnen zu Gesprächen über die Enzwicklung und die Erziehung der Kinder zur Verfügung.

Die Angebote für die Eltern gehen weit darüber hinaus. Die Tageseinrichtung ist auch ein Ort, an dem Eltern sich treffen und miteinander ins Gespräch kommen können (Elterncafe geöffne3t von 7.00-17.00 Uhr).

Aus Begegnungen im Kindergarten haben sich viele Bekanntschaften zwischen Familien entwickelt und vertieft, damit wird auch wechselseitige Hilfe der Eltern, z.B. bei Krankheit und in anderen Notfällen, gefördert. In unserer Tageseinrichtung, die auch ein Familienzentrum ist, finden Eltern außerdem Hinweise auf interessante Veranstaltungen im Familienzentrum und Wohngebiete, auf wichtige und hilfreiche Adressen Und Hinweise auf andere Institutionen, z.B. Beratungsstellen oder Einrichtungen im Gesundheitswesen. Für die Kinder ist es besonders wichtig zu erleben, dass Einrichtungen und Familien keine voneinander getrennten Teile ihrer Lebenswelt sind, sondern eng miteinander in Verbindung stehen. Je intensiver die Kontakte zwischen erzieherinne und Eltern sind, desto besser für die Entwicklung des Kindes. 

Ein Aspekt der Beteiligung von Eltern am Geschehen in der Tageseinrichtung ist ihre Mitsprache im Rahmen des KiBiz. Eltern können in folgenden Gremien mitwirken:

Formen der Elternmitwirkung

  • Elternversammlungen
  • Elternrat
  • Rat der Tageseinrichtung
  • Förderverein
  • AG-Bündnis für Familien
  • offene Themenbereiche des Familienzentrums
  • Stadtelternrat

Formen der Beteiligung und Beratung

  • Kompetenzkurse für Eltern
  • Elterngespräche/gezielte Gespräche
  • Elternangebote
  • Elterntreffen
  • Elternstammtisch
  • Elternabende

Ansonsten gestalten wir auch Feste um die Verbundenheit zwischen der Einrichtung, den Eltern und der Gemeinde zu fördern

  • Tag der offenen Tür
  • Jubiläum
  • Sommerfest
  • Familienfest
  • Basar
  • Trödelmarkt

 

8. Partizipation/Beschwerde

Partizipation bezeichnet grundsätzlich verschiedene Formen von Beteiligung, Teilhabe bzw. Mitbestimmung.

Partizipation in unserer Kindertageseinrichtung ist die ernst gemeinte, altersgemäße Beteiligung der Kinder am Einrichtungsleben im Rahmen ihrer Erziehung und Bildung. Grundvoraussetzung für eine gelingende Partizipation ist eine positive Grundhaltung der Erzieher/innen. Die Kinder werden las Gesprächspartner wahr- und ernstgenommen, ohne dass die Grenzen zwischen Erwachsenen und Kinder vermischt werden. In diesem Rahmen werden in unserer Kita auch altersangemessene Formen des Beschwerdemanagements gemeinsam mit den Beteiligten gefunden und durchgeführt. Partizipation wird als Grundhaltung ebenso in der Zusammenarbeit mit den Eltern und im Team umgesetzt. Wir streben eine Dialogsituation in unserem Familienzentrum an, in der die Kinder Ideen entwickeln können. Der Gesamtprozess wird so gestaltet, dass die Zusammenhänge für alle Beteiligten transparent sind und die gemeinsam gesteckten Ziele erreichbar sind. Partizipation bedeutet für unseren Kita-Alltag, Kinder einen Anteil an Mit- und Eigenbestimmung, aber auch an MIt- und Eigenverantwortung zu übertragen. Die partizipative Haltung ist ein entscheidender Basispunkt um Kindern Selbstbildungsprozesse zu ermöglichen. Das Gruppengefühl und das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Partizipation bedeutet für uns soziale Kompetenzen wie andere Meinungen zu tolerieren und gegeben falls Kompromisse einzugehen aber auch neue Möglichkeiten der Konfliktbewältigung kennen zu lernen und Demokratie zu erleben. Durch das Gefühl "ich bin wichtig", "ich werde gesehen und gebraucht" und kann mitwirken, wird das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein gestärkt und hervorgehoben. Erfahrungen und Niederlagen, der Umgang mit Frustration und eine evtl. nicht Erfüllung eines Wunsches können im Übungsfeld Partizipation als ein wichtiger Punkt erlebt werden. Jedes Kind wird angeregt sich mit seiner Umwelt kritisch auseinander zu setzen und seine Bedürfnisse und Wünsche in Worte zu fassen. Die Bildung orientiert sich an den Bedürfnissen der Kinder und vollzieht sich an Themen , die bedeutsam für die sind. Die Kinder lernen ihre Rechte kennen und wir ermutigen sie diese zu nutzen. Jedes Kind erfährt durch die Wertschätzung und des angenommen seins im Rahmen der Partizipation, eine Stärkung des Wohlbefindens, der Zufriedenheit. Im Bereich der U3 Kinder legen wir den Schwerpunkt auf die Wahrnehmung der Bedürfnisse der Kinder. Unter anderem durch nonverbale Kommunikation finden wir Wünsche des Kindes heraus. Kleine, altersgemäße Wahlmöglichkeiten für die jüngeren Kinder bieten wir im Alltag an.

Unser Beschwerde-Management ist ein System zur Verbesserung der Dienstleistungsqualität. Wir verstehen unter einer Beschwerde: Einen erlebten Widerspruch zwischen Erwartungen und der erbrachten Leistungen. Dabei handelt es sich um ein subjektiv erlebtes Problem mit einem Angebot oder unsere Dienstleistung. Siehe auch QM-Handbuch.

  1. Beschwerde-Anregung
  2. Beschwerde-Annahme
  3. Beschwerde-Reaktion
  4. Beschwerde-Bearbeitung
  5. Beschwerde-Auswertung

 

9. Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen und Diensten

Zusammenarbeit mit Schulen

Aufgrund der Wahlfreiheit der Eltern bezüglich der Schule, stehen wir mit allen Grundschulen der Stadt Lippstadt im Austausch. Eine engere Kooperation besteht im Hinblick auf die Wohnortnähe zur Nicolaischule. 

  • einen Elternabend mit einem der Schulleiter zum Thema "Mein Kind kommt in die Schule"
  • Besuch einer Schulstunde mit den Schulanfängern in der Nicolaischule
  • Teilnahme an den Einschulungen und den Schulfesten

Zusammenarbeit mit Ämtern

Die Zusammenarbeit mit Ämtern, Diensten, Beratungsstellen und sonstigen Institutionen bieten Austauschmöglichkeiten  und geben Impulse zur Hilfestellung.

  • Jugend- und Sozialamt
  • Sozialdienste der Kirche
  • Erziehungshilfen bei Familien mit Kindern, die motorische oder kognitive Defizite aufweisen
  • Gesundheitsamt, Untersuchung für die Schulanfänger, Zahngesundheit und Pflege, Fragen zu Hygienemaßnahmen
  • Polizei, Verkehrserziehung durch die Puppenbühne, Besuch der Polizeiwache
  • Feuerwehr, Brandschutzerziehung, Besuch der Feuerwehr

Zusammenarbeit mit dem kath. Dreifaltigkeitshospitals

Da das Dreifaltigkeitshospital in unmittelbarer Nähe zur Einrichtung liegt, können wir die Ambulanz bei Unfällen in Anspruch nehmen.

 

Vernetzung mit anderen Institutionen

  • KBS Katholische Bildungsstätte für Erwachsenen- und Familienbildung, Kurse zur Elternbildung "kess-erziehen" im Quartal, Qualifikation zur Kindertagespflege, Infoveranstaltungen im Elterncafe
  • Kirchengemeinde, Elternveranstaltungen zum Thema "Hilfestellung für das Leben mit Kleinkindern"
  • Stadt Lippstadt/ Amt für Jugend und Soziales
  • den unterschiedlichsten Schulen /Ausbildung
  • Frühförderstelle
  • SKF Sozialdienst katholischer Frauen /Tageselternvermittlung und Ausbildung
  • Erziehungsberatung
  • Gesundheitsamt des Kreises Soest, "Gesund groß werden"
  • LTV-reAktiv-Forum
  • Kath. Beratungsstelle kath. Männer, Migration- und Integration
  • AHA Jobcenter Arbeit Hellweg Aktiv
  • DJK- Sportverband Diözesanverband Paderborn e.V.

 

10. Öffentlichkeitsarbeit

Unsere Hauptaufgabe ist die Imagepflege und die Vertrauenswerbung. Durch den Einsatz verschiedener Medien können wir Aufmerksamkeit erregen und Sympathien gewinnen. Dabei erreichen wir , dass die Menschen nicht nur informiert sind, sondern sich mit uns als Einrichtung identifizieren und uns ihre Unterstützung zusichern. Bei unserer Öffentlichkeitsarbeit wenden wir uns an die unterschiedlichsten Zielgruppen. Um die einzelnen Gruppen zu erreichen verwenden wir verschiedene Hilfsmittel. Die Arbeit unserer Kindertagesstätte und Familienzentrums tragen wir durch transparente Methoden nach außen. Ganz besonders liegt uns auch das öffentlichkeitswirksame  Engagement im sozialen und kulturellen Bereich am Herzen (z.B. das Weihnachtskonzert mit R. Horn). Datenschutzrechtliche Gesetzesgrundlagen werden in den verschiedensten Formen beachtet.

Angebot mit /für die Pfarrgemeinde

Einmal im Monat findet ein Kindergottesdienst in der Nicolaikirche statt. Dieser ist sowohl für Ehemalige, jetzige und zukünftige Kindergartenkinder mit ihren Familien. Jeder Interessierte ist herzlich eingeladen diese Gottesdienste mit uns zu feiern. Die kirchlichen Feste, wie das St. Martinsspiel mit anschließendem Laternenumzug, sowie das Krippenspiel am heiligen Abend in der Nicolaikirche werden alljährlich mit der Gemeinde gefeiert. Zum Ende des Kindergartenjahres findet ein Abschlussgottesdienst statt, an dem die Vorschulkinder mitwirken.

Feste

Die Kindertagesstätte soll auch ein Ort der Begegnung sein. Deshalb findet für die Kinder der Einrichtung und ihren Familien Feste mit vielen Aktivitäten statt. Je nach Anlass veranstaltet unser Team gemeinsam mit den Eltern z.B. einen "Tag der offenen Tür", ein Sommerfest oder einen Basar. Diese Veranstaltungen sollen die Einrichtung der Öffentlichkeit transparent machen.

Presse

Veranstaltungshinweise (z.B. Tag der offenen Tür, Jubiläum) sowie Berichte von verschiedenen Aktionen (Kindergottesdienste, Waldtage, Ausflüge) erscheinen je nach Anlass in der Lokalzeitung. Zusätzlich geben wir die Termine und Veranstaltungen unseres Familienzentrums bekannt, die im besonderen Maße auch Familien zur Verfügung stehen, die noch kein Kind in unserer Einrichtung haben.

Öffentliche Veranstaltungen

Veranstaltungen in der Öffentlichkeit wie z.B. den Weihnachtsmarkt, Weltkindertag etc. werden von den Mitarbeitern ebenfalls genutzt, um gesellschaftliche Unterstützung für die Anliegen der Kindertagesstätte zu gewinnen.

 

11. Qualitätssicherung

Träger und Kindertageseinrichtungen verstehen sich als lernende Organisation, die ihre Qualität fortlaufend und systematisch weiterentwickeln. Transparente Kommunikationsstrukturen und ein ebensolcher Informationsfluss sind Grundlage für die aktive Beteiligung von Leitung, Mitarbeiter/innen, Eltern und Kindern (Partizipation/Beschwerde Management). Die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualitätsstandards der Kitas werden durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen der pädagogischen Fachkräfte und durch regelmäßige Dienst- und Mitarbeitergespräche zwischen träger, Leitung und pädagogischen Fachkräften gewährleistet. der Träger führt ca. fünf bis sechs Leiterinnenkonferenzen pro Jahr durch. In der Kita finden regelmäßige Team- und Mitarbeitergespräche statt. Auf Träger- und Kitaebene führt jeder Vorgesetzte ein Mitarbeiterjahresgespräch mit seinen Mitarbeiter/innen. Die Fortbildungsplanung wird jährlich zwischen Träger und Leitung besprochen und vereinbart. Der Träger nimmt seine Trägerverantwortung durch die Zuordnung einer pädagogischen Regionalleitung für jede Kita wahr. Die Trägerverantwortung umfasst u.a. die Sicherung des Einhaltens der gesetzlichen Grundlagen, die Vereinbarung von Fach- und Organisationszielen mit der Leitung und die Überwachung der Umsetzung, die Gewährleistung struktureller, finanzieller und personeller Rahmenbedingungen, die Anregung und Unterstützung von Vernetzungen, sowie die fachliche Weiterentwicklung der Kita. Die Regionalleitung übernimmt die Dienst- und Fachaufsicht für die Kita. Mit der Leitung der Kita werden pro Kindergartenjahr regelmäßig drei standardisierte Dienstgespräche geführt. Dazu kommen Gespräche, die aufgrund eines bestimmen Anlasses erforderlich werden. Zudem stehen der Kita Ansprechpartner in Personal-, Finanz-, Bau- und Betriebsorganisationsfragen beim Gemeindeverband (Verwaltungsdienstleister) zur Verfügung.

Im Rahmen einer jährlichen Evaluierung entwickeln wir unsere Konzeption als auch das QM-Handbuch weiter. Dabei geht es unseren pädagogischen Mitarbeiter/innen darum, die gute Qualität zu erhalten und weiter auszubauen. Verbesserungsprozesse verstehen wir als einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung unserer Ziele, die unserer Arbeit zugrunde liegen. Aus diesem Grund ist es uns nicht nur wichtig, dass alle Erziehungspartner die gemeinsamen Ziele kennen, sondern auch Vereinbarungen darüber treffen, wie sie diese erreichen.

Durch die Verschriftlichung relevanter Prozesse im QM-Handbuch erhalten wir unsere Abläufe auf einem qualitativ hochwertigen Niveau.

 

 

Sexualpädagogisches Konzept

 

1. Einleitende Worte

Ein wertschätzender Blick auf die Einzigartigkeit eines jeden Kindes ermöglicht eine lebendige und angstfrei Sexualerziehung im Kindergartenalltag. Die sexuelle Entwicklung beginnt bereits vor der Geburt. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen kindlicher- und erwachsener Sexualität. In diesem Zusammenhang bedeutet Sexualerziehung nicht nur "Aufklärung", sondern sie vermittelt Wissen über das Akzeptieren des eigenen Körpers, Partnerschaft, Rücksichtnahme, Zärtlichkeit, Selbstvertrauen und gleichberechtigter Umgang zwischen Mädchen und Jungen und Kindern, bei denen sowohl physisch als auch psychisch noch keine geschlechtsspezifische Rolle festgelegt ist.

 

2. Grundsätzliches

Unsere Kita soll für alle Kinder ein Haus sein, in dem sie sich heimisch fühlen. Deswegen haben die Kinder die Möglichkeit, sich im Haus frei zu bewegen und die Räume mit ihren Angeboten individuell und auch ohne Erwachsene zu nutzen, Jüngere oder unsichere Kinder werden begleitet und unterstützt, sich die Welt der Kita zu erobern. Kinder sind von Anfang an (vorgeburtlich) auch sexuelle Individuen. Für die Entwicklung der Geschlechtsidentität ist es wichtig, dass Mädchen und Jungen in ihrem Rollenverhalten individuell wahrgenommen und respektiert werden. In altersangemessener Form wird über Geschlechtermerkmale und Rollenverständnis gesprochen. Die Kinder werden angeregt, sich mit der Geschlechterrolle auseinanderzusetzen uns sie ggf. zu hinterfragen. Kindliche Sexualität bedeutet seine Gefühle, sowie die der Anderen wahrzunehmen und auszudrücken. Durch die heutigen Medien kommen die Kinder schon lange vor der Pubertät mit dem Thema "Sexualität" in Berührung. Wichtig ist es, daraus kein Tabuthema zu machen und auf die Fragen der Kinder einzugehen.

Wir möchten:

  • dass Kinder die eigene Sexualität als einen positiven Lebensbereich bejahen
  • die Kinder in der Wahrnehmung ihrer Gefühle fördern
  • die Kinder sensibilisieren, die eigenen Gefühle und die Gefühle anderer Menschen zu erkennen und darauf angemessen zu reagieren (Partnerschaft, Zärtlichkeit, Rücksichtnahme, "Nein" sagen können)
  • dass die Kinder ihren eigenen Körper wahrnehmen und akzeptieren
  • dass die Kinder eventuelle Ängste, Hemmungen ablegen und Sicherheit erfahren
  • die Kinder im Finden und Erkennen der eigenen Identität unterstützen
  • dass die Kinder den gleichberechtigten Umgang zwischen Mädchen und Jungen erleben und akzeptieren
  • das Selbstwertgefühl von Mädchen und Jungen spielerisch stärken
  • den Kindern Wissen über Sexualität vermitteln

 

3. Was ist kindliche Sexualität

"Das ICH ist vor allem ein Körperliches." Dieser Satz Sigmund Freuds verweist auf die Bedeutung des Körpers für die Identitätsentwicklung. Kinder fühlen zunächst körperlich, ihre ersten Welterfahrungen beginnen mit dem Körper. Sie nehmen Gegenstände in den Mund, zum erforschen und zur Befriedigung von Lust. Voller Neugier und Tatendrang begreifen sie damit die Welt und sich selbst. Diesem ganzheitlichen Körpererleben von Kindern steht häufig eine ambivalente Haltung von Erwachsenen gegenüber, insbesondere wenn es um das lustvolle Entdecken des eigene Körpers geht. Das Nachspüren von Körperberührungen und Erfahrungen wird dadurch möglicherweise unterbunden und ein positiver Bezug zum eigenen Körper verhindert. Ganzheitliche Sexualerziehung ist darauf ausgerichtet, einem Kind ein lustvolles, verantwortungsvolles und selbst bestimmtes Leben zu ermöglichen. Hierbei spielen verschiedene Bereiche eine wichtige Rolle.

Es ist gut, ein Kind dabei zu unterstützen:

  • sich seiner Gefühle, Wünsche und Ängste bewusst zu sein (Selbstbewusstsein zu entwickeln)
  • seinen Körper kennen zu lernen und zu mögen (Körpergefühl entwickeln)
  • eine Fähigkeit zum zärtlichen Umgang mit anderen Menschen zu entwickeln (Liebes- und Beziehungsfähigkeit)
  • die Grenzen anderer Menschen zu respektieren und eigene Bedürfnisse zu stellen (Verantwortungsgefühl und Einfühlungsvermögen)
  • und darin zu bestärken, sich so anzunehmen wie es ist und zu ermutigen, seien Bedürfnisse auszudrücken (Selbstwertgefühl)

Die kindliche Sexualität unterscheidet sich grundlegend von der Sexualität der Erwachsenen.

Kindliche Sexualität ist:

  • spielerisch, spontan
  • nicht auf zukünftige Handlungen ausgerichtet
  • erleben des Körpers mit allen Sinnen
  • egozentrisch
  • Wunsch nach Nähe und Geborgenheit
  • Unbefangenheit
  • sexuelle Handlungen werden nicht bewusst als Sexualität wahrgenommen

Erwachsene Sexualität ist:

  • absichtsvoll und zielgerichtet
  • auf Entspannung und Befriedigung hin orientiert
  • eher auf genitale Sexualität ausgerichtet 
  • beziehungsorientiert
  • Verlangen nach Erregung und Befriedigung
  • bewusster Bezug zu Sexualität

 

Das Bild vom Kind in der geschichtlichen Entwicklung:

Antike (römisches Reich)                   =das Kind wird als Eigentum des Vaters gesehen

Mittelalter (christlicher Kulturkreis)     =das Kind wird als Geschenk Gottes gesehen

Moderne (Aufklärung)                        =das Kind wird als Objekt von Bildung und Erziehung gesehen

Postmoderne (Individualisierung)        =das Kind wird als Rechts-Subjekt gesehen

 

Definition kindlicher Sexualität

Sexualität bezieht such auf einen zentralen Aspekt des Menschseins über die gesamte Lebensspanne hinweg, der das biologische Geschlecht, die Geschlechtsidentität, die Geschlechtsrolle, sexuelle Orientierung, Lust, Erotik, Intimität und Fortpflanzung einschließt. Sie wird erfahren und drückt sich aus in Gedanken, Phantasien, Wünschen, Überzeugungen, Einstellungen, Werten, Verhaltensmustern, Praktiken, Rollen und Beziehung. Während Sexualität all diese Aspekte beinhaltet, werden nicht alle ihre Dimensionen jederzeit erfahren oder ausgedrückt. Sexualität wird beeinflusst durch das Zusammenwirken biologischer, psychologischer, sozialer, wirtschaftlicher, politischer, ethischer, rechtlicher, religiöser und spiritueller Faktoren. (WHO 2011)

 

Definition unterschiedlicher Geschlechtertypen

Intersexualität bedeutet, dass Kinder nicht mit eindeutigen körperlichen Geschlechtsmerkmalen geboren werden (Genitalien, Chromosomen oder das Mengenverhältnis der Hormone)

Heterosexualität bedeutet, dass Mädchen und Jungen sich von Angehörigen des anderen Geschlechts Angezogen fühlen. Die Orientierung äußert sich in der Regel nicht vor Abschluss der körperlichen Geschlechtsentwicklung.

Homosexualität bedeutet, dass Mädchen und Jungen sich von Angehörigen desselben Geschlechts angezogen fühlen und gleichgeschlechtliche Sexualpartner bevorzugt werden. Eine stabile homosexuelle Orientierung äußert sich in der Regel nicht vor Abschluss der körperlichen Geschlechtsentwicklung.

Transsexualität bedeutet, dass ein Mensch körperlich eindeutig einem Geschlecht zuzuordnen ist, sich jedoch als Angehöriger des anderen Geschlechts empfindet und daher das Bestreben entwickelt, als solcher wahrgenommen zu werden.

 

Die Entwicklung der körperlichen Geschlechtsmerkmale

  • Zeugung = Verschmelzung von Ei und Samenzelle
  • Genetische Geschlechtsfestlegung = chromosomales Geschlecht
  • die Embrionalperiode = 1.-2. Monat
  • Entwicklung der Keimdrüsen = Gonaden
  • Fetalperiode = 3.-9. Monat
  • Ausbildung der primären Geschlechtsmerkmale = Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Vagina bzw. Penis, Hoden und Samenwege
  • Vor-Pubertät = -14 Jahre
  • Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale = Brüste, Schambehaarung (Mädchen), Bartwuchs, Schambehaarung (Jungen)
  • Geschlechtsreife = Erstmenstruation & Empfängnisfähigkeit, Erstejakulation & Zeugungsfähigkeit
  • Adoleszenz = Endphase des Jugendalters
  • Entwicklung der tertiären Geschlechtsmerkmale = u.a. Körpergröße & Beckenform

 

Die psychosexuelle Entwicklung

Alle Kinder durchlaufen dieselben Entwicklungsphasen. Zugleich ist jedes Kind anders und will mit seinen Eigenarten und seinem Entwicklungstempo akzeptiert und wertgeschätzt werden. Dies gilt auch für die psychosexuelle Entwicklung. Auch hier sind die normalen Unterschiede zwischen den Kindern (interindividuelle Variabilität) groß, sogar bei Kindern aus derselben Familie. Manche Kinder suche häufig Körperkontakt, sie schmusen viel und benötigen in belastenden Situationen intensive Nähe von Bezugspersonen. Andere könne sich früh selbst beruhigen, sie wirken distanziert und erreichen schnell einen beträchtlichen Grad an Autonomie. Zur interindividuellen kommt die intraindividuelle Variabilität. Damit ist gemeint, dass sich die verschiedenen Entwicklungsbereiche bei ein und demselben Kind mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickeln. So kann ein Kind z.B. körperlich schon weit entwickelt sein, während es emotional wie hinterherhinkt. Die psychosexuelle Entwicklung von Kindern professionell zu begleiten bedeutet für uns, jedes Kin d in seiner gesamten Persönlichkeit wahrzunehmen.

 

4. Ausdrucksformen kindlicher Sexualität

Angeregt durch die kindliche Neugierde entdeckt das Kind seinen eigenen Körper. Basierend auf Bindungserfahrungen mit und durch die Bezugspersonen entwickelt das Kind sein URVERTRAUEN. Streicheln, schmusen und Liebkosungen sind die Grundlage für eine gesunde physische und psychische Entwicklung. Dabei macht es positive Erfahrungen mit allen Sinnen und entwickelt seine eigene Identität. Es interessiert sich für seine Körperausscheidungen. Das bewusste Festhalten und Loslassen seiner Körpereigenen "Produkte" ist für Kinder eine lustvolle Erfahrung. Sie entwickeln ein Gefühl für ihren Intimitätsbereich und die Privatsphäre anderer Menschen (Schamgefühl). Sie lernen "was erlaubt ist" und "was nicht" und kennen ihre Grenzen (soziale Regeln und Normen). Im Alter von 2-3 Jahren reichtet sich die Neugierde und das entdeckerische Verhalten der Kinder zunehmend auf andere Kinder. Die meisten Mädchen und Jungen spielen im Alter zwischen ca. 3-6 Jahren sogenannte Körpererkundungsspiele - manche häufiger und offen, andere seltener und eher versteckt. Ab ca. dem 4. Lebensjahr nehmen die Spiele meist den Charakter von Rollenspielen an, z.B. Arztspiele, Vater-Mutter-Kind Spiele. Hier wird deutlich, dass Kinder klare Vorstellungen von Geschlechterrollen haben. Ab dem 5. Lebensjahr nehmen Kinder wahr, dass Sexualität ein emotional aufgeladenes Thema ist, über das nicht gerne gesprochen wird und vielen Menschen peinlich ist. Sie beobachten Jugendliche und Erwachsene in ihrem sexuellen Verhalten.

Kindliche Sexualität zeigt sich im Kindergarten-Alltag in unterschiedlichsten Facetten: direkt oder indirekt, ängstlich oder offen, irritierend oder klar, fragend oder provozierend.

Konkret zeigt sich dies in folgenden Verhaltensweisen

Kinderfreundschaften

Kinder gehen im Laufe ihrer Kindergartenzeit vielfältig Freundschaften ein. Es ist wichtig, sich ausprobieren zu können, denn so erleben sie im Kontakt mit Gleichaltrigen, von wem sie gemocht, geliebt oder auch abgelehnt werden. Diese Erfahrungen ermöglichen es Ihnen, einen partnerschaftlichen Umgang miteinander zu erlernen. Hier deutet sich der Beziehungsaspekt von Sexualität an.

Frühkindliche Selbstbefriedigung

Durch Selbstbefriedigung entdecken Kinder ihren Körper. Sie fühlen sich ihrem Körper sehr nah und verspüren lustvolle Gefühle. Das Zulassen frühkindlicher Selbstbefriedigung ist für den Aufbau der Ich-Identität von Bedeutung und weist auf den Identitätsaspekt von Sexualität hin.

Sexuelle Rollenspiele

Rollenspiele mit sexuellem Inhalt sind ein wichtiges Übungsfeld für Kinder im KOntakt mit Gleichaltrigen. Doktorspiele, Vater-Mutter-Kind-Spiele oder andere sexuelle Rollenspiele ermöglichen zum einen, gemeinsam auf Körperentdeckungsreise zu gehen, und zum anderen, aktiv mediale Einflüsse zu verarbeiten und spielerisch umzusetzen. Zudem fördert das "Sich-Ausprobieren-Dürfen" in unterschiedlichen Rollen das Selbstständig werden.

Körperscham

Kinder zeigen Schamgefühl gegenüber Nacktheit oder körperliche Nähe durch Erröten oder Blickabwendung. Gefühle der Scham sind eine positive Reaktionsmöglichkeit, um die eigenen Intimgrenzen zu spüren. Sie verdeutlichen das Bedürfnis nach Schutz und Abgrenzung. Jedoch weisen sie auch auf Aspekte von Unsicherheit, Angst vor Heeransetzung und Versagen hin. Die Auseinandersetzung mit Körperscham ist ein wichtiger Prozess der sexuellen Identitätsfindung. Denn die Fähigkeit, mit Schamgefühlen umgehen zu können, weist auf den Zugang zur eigenen Körperlichkeit hin.

Fragen zur Sexualität

Die psychosexuelle Entwicklung ist von kognitiven Reifungsprozessen nicht zu trennen. Kinder benötigen Wissen, um sprechfähiger zu werden im Umgang mit Begrifflichkeiten und für sie wichtigen sexuellen Themen, sowie zur Verbalisierung sexueller Bedürfnisse. Umfassendes Wissen schützt eher vor sexuellen Übergriffen, da informierte Kinder bestimmte Situationen besser einordnen und angemessener reagieren können.

Sexuelles Vokabular

Kindergartenkinder haben heute schon relativ früh sexuelle Sprüche  "drauf", äußern diese oftmals mit viel Spaß und benutzen auch manche derben Begriffe. Oft kennen sie die Bedeutung gar nicht, sondern probieren aus, wie andere darauf reagieren. Manchmal wollen sie auch nur provozieren.

 

5. Umgang mit kindlicher Sexualität im Kindergarten

Erzieherinnen sind der Schlüssel für eine sexualfreundlichen Erziehung in einer Kindertageseinrichtung. Gerade im Kindergarten findet ein wesentlicher Teil kindlicher Sozialisation statt. Wir begleiten Kinder in einer entscheidenden Alters- und Entwicklungsphase, in der auch erhebliche Chancen der Gesundheitsförderung liegen. Hier kommt den Erzieherinnen eine Schlüsselrolle zu: Sexualerziehung - verstanden als umfassende und ganzheitliche Förderung und Begleitung - ist integraler Bestandteil von Gesundheitsförderung und Persönlichkeitserziehung. Sie fördert das kindliche Selbstvertrauen, ein positives Körpergefühl, unterstützt den Aufbau einer bejahenden Geschlechtsidentität und die Liebesfähigkeit der Kinder. Wichtig ist es, die Lebenswirklichkeit der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Ausgehend von den Bedürfnissen, Interessen und Wünschen der Kinder werden situative Anlässe für Spiel- und Lernprozesse aufgegriffen. Durch Sensibilität, Einfühlungsvermögen und genaues Beobachten nimmt jede einzelne Fachkraft wahr, womit sich die Kinder gerade beschäftigen.

Umsetzung im Kindergarten:

  • Wir sind sensibel für Fragen der Kinder und hören zu
  • Wir achten darauf, dass das persönliche Schamgefühl eines Jeden respektiert wird
  • Mit unserer Raumgestaltung schaffen wir den Kindern Bereiche ungestört spielen zu können
  • Wir bieten ein geborgenes Umfeld z.B. durch Decken, Nischen, Kuscheldecken...
  • Den Kindern stehen viele Materialien zur Verfügung, wie z.B. Verkleidungskiste, Massagebälle, Sinnesmaterial
  • Wir stellen den Kindern ausgewählte Bild- und Buchmaterialien zur Verfügung
  • Durch Angebote mit Materialien wir Kleber, Kleister, Matsch, Sand usw. machen die Kinderwichtige Körpererfahrungen
  • Weitere Möglichkeiten didaktischer Umsetzung der Sexualerziehung werden im Kindergartenalltag eingesetzt: Geschichten, Lieder, Sinnesspiele, Malen, Erzählen usw.

 

6. Umgang mit geschlechtsspezifischen Begrifflichkeiten

 

 

7. Unsere Bildung- und Erziehungsziele

Das Kind erwirbt ein differenziertes und vielfältiges Bild von den möglichen Rollen von Männern und Frauen. Dazu gehören:

  • Das andere Geschlecht als gleichwertig und gleichberechtigt anerkennen
  • Unterschiede zum anderen Geschlecht wahrnehmen und wertschätzen
  • Erkennen, dass "weiblich", "männlich" und "divers" keine uniformen Kategorien sind, sondern das "weibliches" und "männliches" und "diverse" in vielfältigen Variationen möglich ist
  • Erkennen, dass eigene Interessen und Vorlieben nicht an die Geschlechtszugehörigkeit gebunden sind
  • Seine eigenen Interessen und Bedürfnisse über die geschlechterbezogenen Erwartungen und Vorgaben Anderer stellen
  • Geschlechterbezogenen Werte, Normen, Traditionen und Ideologen kritisch hinterfragen
  • Andere nicht vorrangig aufgrund ihrer Geschlechterzugehörigkeit beurteilen, sondern in ihrer individuellen Persönlichkeit wahrnehmen
  • Kulturgeprägte andere Vorstellungen über Geschlechteridentitäten erkennen und respektieren und dennoch hinterfragen

 

8. Doktorspiele

Doktorspiele gehören zur normalen Entwicklung von Kindern. Doktorspiele sind Spiele unter gleichaltrigen Kindern bzw. Kindern mit dem gleichen Entwicklungsstand. Sie haben die Erkundung des Körpers, insbesondere der Genitalien, zum Inhalt. Dabei geht die Initiative von allen beteiligten Kindern aus. Das Entdecken und Untersuchen des Körpers steht im Vordergrund, aber auch die Entdeckung des Lustempfindens und dessen Umgang, spielt eine wichtige Rolle. Doktorspiele haben noch nichts mit dem sexuellen Begehren eines Heranwachsenden oder Erwachsenen zu tun, sondern ausschließlich mit kindlicher Neugier. Die Kinder erkunden das andere Geschlecht und versichern sich außerdem, dass sie genauso sind wie andere Kinder des eigenen Geschlechts. Dass dabei schöne Gefühle entstehen können, stärkt ihr Vertrauen in ihre sinnliche Wahrnehmung und in ihr Körpergefühl.

Im Vorschulalter gewinnen Doktorspiele zunehmend an neuer Bedeutung. Es geht nicht mehr nur um das Kennenlernen des Körpers, sondern vermehrt um das Einüben und Experimentieren von männlichen und weiblichen Rollenmustern. Dabei werden Handlungen von Erwachsenen, wie Vater und Mutter nachgeahmt, z.B. die Geburt eines Kindes. Desweitern entstehen die ersten innigen Freundschaften, in denen unter anderem der körperliche Kontakt (sich streicheln, umarmen, küssen etc.) eine wichtige Rolle spielt, da nun die Kinder in der Lage sind, tiefe Gefühle und Empfindungen für Andere auszudrücken. 

Im Grundschulalter werden Kinder in ihren sexuellen Aktivitäten wieder zurückhaltender, da das Schamgefühl Oberhand gewinnt. Sie grenzen sich nun immer mehr von den Eltern ab und werden selbständiger. Körperliche Nähe und Zärtlichkeiten von den Eltern weisen die Kinder nun immer öfter zurück. Mädchen fühlen sich in Gesellschaft weniger Freundinnen wohl, Jungen bevorzugen dagegen größere Cliquen. Nun wird es für Jungen und Mädchen aufregend sich gegenseitig zu necken und zu provozieren. Zwar nennen sie ihr Gegenüber vom anderen Geschlecht "doof", finden es aber anziehend und interessant. Die Pubertät steht bevor.

Folgende Regeln sind uns dabei wichtig:

  • Bei jedem "Tun" bleibt die Unterhose an (auch im Sommer beim Baden!)
  • Jedes Mädchen/Junge bestimmt selbst, mit wem sie/er Doktor spielen will
  • Mädchen und Jungen "untersuchen" einander nur so viel, wie es für sie selbst und die anderen
  • Kinder schön ist. 
  • Kein Mädchen/kein Junge tut einem anderen Kind weh
  • Hilfe holen ist kein Petzen!
  • Ein "NEIN" muss respektiert werden
  • Niemand steckt einem andern Kind etwas in den Po, Scheide, Nase oder Ohr
  • Größere Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben bei Doktorspielen nichts zu suchen 

 

9. Grenzverletzungen und Übergriffe

Grenzverletzungen sind alle Verhaltensweisen gegenüber Kindern, die deren Grenzen im Kontakt eines Betreuungsverhältnisses überschreiten Verübt werden Grenzverletzungen sowohl von erwachsenen Frauen, Männern und Jugendlichen, als auch von gleichaltrigen oder älteren Kindern.

Man unterscheidet dabei:

  • Grenzverletzungen, die unabsichtlich verübt werden und/oder aus fachlichen bzw. persönlichen Unzulänglichkeiten oder einer §Kultur der Grenzverletzung" resultieren
  • Übergriffe, die Ausdruck eines unzureichenden Respekts gegenüber Mädchen und Jungen, grundlegender fachlicher Mängel und/oder einer gezielten Desensibilisierung im Rahmen der Vorbereitung eines sexuellen Missbrauchs/eines Machtmissbrauchs sind

Damit einer Grenzverletzung vorgebeugt werden kann, ist es wichtig, die sexualpädagogische Praxis bereits im Kindergarten den Kindern näher zu bringen. Dabei soll das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, das Recht auf Respekt vor der Intimsphäre und Schamgrenzen, das Wissen um die Unterschiede von Kinder- und Erwachsenensexualität und das Recht auf Schutz vor sexuellen Übergriffen integriert werden.

10. Zusammenarbeit mit den Eltern im sexualpädagogischen Kontext

Eltern bekommen Unterstützung und Begleitung bei Fragen zur Sexualität ihrer Kinder. Dadurch bekommen Sie nicht nur mehr Klarheit und Sicherheit im Umgang mit kindlicher Sexualität, sondern werden befähigt, mit Ihren Kindern über Sexualität zu sprechen, deren sexuelle Entfaltung zu ermöglichen und gleichzeitig Grenzen im Umgang miteinander zu achten. 
Eine ständige Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Erziehungsstilen, Werten, Einstellungen und Sichtweisen - bezogen auf die Sexualität der Kinder, muss aufrecht erhalten werden.

  • Unterschiedliche Erziehungsstile, Werte, Einstellungen und Sichtweisen werden anerkannt.
  • Das sexualpädagogische Konzept und das Schutzkonzept werden den Eltern vorgestellt und zugänglich gemacht.
  • Unterstützung, Begleitung und Information der Eltern findet durch Elterngespräche, Themen-Elternabende und ausleihbare Fachliteratur statt.
  • Die psychosexuelle Entwicklung der Kinder wird in die Entwicklungsgespräche einbezogen.
  • Gespräche mit einzelnen Eltern aus gegebenem Anlass finden statt.

11. Die Rolle des pädagogischen Personals im sexualpädagogischen Kontext

Grundvoraussetzung für kindergerechte Sexualerziehung, sexuelle Bildung und Schutz vor sexualisierter Gewalt in der Kita sind die handlungsfähigen und kompetenten Fachkräfte, die Teamarbeit und die Entwicklung einer entsprechenden Konzeption.

Die Konzeption beschreibt den Handlungsrahmen des pädagogischen Teams und schafft Transparenz für den Träger und die Eltern. Die Umsetzung des sexualpädagogischen Konzepts setzt die tragfähige Beziehung zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind voraus. Wie bei allen Bildungsprozessen gilt auch hier der Grundsatz:

Bindung vor Bildung!

Die Beziehungssicherheit bildet die Basis für kindlichen Entdeckungsreisen.

Ebenso ist die offene und behutsame Zusammenarbeit mit den Eltern unerlässlich für eine gute Arbeitsatmosphäre und die Transparenz der Arbeit.

Die handlungsfähige und kompetente pädagogische Fachkraft im sexualpädagogischen Kontext

  • setzt sich mit der eigenen Sexualität und dem sexuellen Selbstkontext auseinander,
  • nimmt im Umgang mit den Kindern eine selbstreflexive Haltung ein,
  • kennt die eigenen Unsicherheiten und Stärken für einen authentischen Umgang mit dem kindern,
  • nimmt mit Einfühlungsvermögen und Sensibilität die Kinder so an, wie sie sind,
  • besitzt sexualpädagogische Sprachfähigkeit, Handlungsalternativen und didaktischen Kreativität,
  • ist durch einen klaren sexualpädagogischen Standpunkt unabhängig vom Urteil anderer,
  • ist Vorbild für eine produktive Weise der Auseinandersetzung (z.B. mit Eltern über unterschiedliche Sichtweisen reflektieren und diskutieren),
  • kann durch Beobachtung das kindliche Verhalten einschätzen und ihr pädagogisches Handeln darauf abstimmen (pädagogische Selbstwirksamkeit).

Die Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte wird sichergestellt durch

  • Fortbildungen, Vorträge, Kontakt zu Experten und Expertinnen (Fachberatung), pädagogischen Austausch im Team, kollegiale Beratung, Fachliteratur

Im pädagogischen Team

  • findet die Auseinandersetzung über den Umgang mit kindlicher Sexualität statt,
  • können individuelle Barrieren und Hemmungen angesprochen werden,
  • findet eine Auseinandersetzung über Sexualität und gesellschaftliche Werte und Normen statt,
  • findet der Austausch über Erfahrungen aus dem Alltag und über die pädagogische Praxis statt,
  • wird eine gemeinsame Haltung diskutiert und ein sexualpädagogisches Handlungskonzept zur Entlastung, Sicherheit, Solidarität und Transparenz erarbeitet,
  • findet die Überprüfung subjektiver Beobachtungen statt.

12. Sexualpädagogik im Familienzentrum St. Nicolai

Eine sexualpädagogische Haltung ist notwendig, denn auch durch "Nichtreagieren" üben wir Einfluss aus!
Wie bei allen Bildungsprozessen stellen wir auch bei der sexuellen Bildung die Lebenswirklichkeit der Kinder in den Mittelpunkt. Wir schaffen situative Anlässe für Spiel- und Lernprozesse, in denen die Kinder - ausgehend von ihren Bedürfnissen, Interessen und Wünschen - ihre Entwicklung aktiv gestalten. Dabei begleiten wir die Kinder auf dem Weg zu sexueller Selbstbestimmung und zum verantwortlichen Umgang mit sich selbst und anderen.

Freundschaft

  • Wir unterstützen die Kinder darin, Freundschaften zu schließen und sich in der Beziehung zu anderen Kindern auszuprobieren. Dabei können die Kinder sich selbst durch den Kontakt zu anderen erfahren.
  • Wir entwickeln mit den Kindern Regeln zum respektvollen Umgang miteinander, mit dem eigenen Körper und dem Körper anderer.

Sinneswahrnehmung

  • Wir ermöglichen den Kindern ganzheitliche Sinneserfahrungen durch vielfältige Angebote (Kräutergarten, Experimente, Sport und Spiel, ...) mit verschiedenen Materialien (Sand, Knete, Kleister,...).

Körpererfahrung und Körperneugier

  • Wir schaffen durch entsprechende Raumgestaltung Rückzugsmöglichkeiten, damit die Kinder ihren altersgemäßen sexuellen Bedürfnissen und Körpererkundungen nachgehen können
  • Wir schaffen eine geeignete Lernumgebung für sexuelle Rollenspiele (z.B. Rollenspielraum oder Hochebene) wie Geburt, Vater-Mutter-Kind...
  • Wir stellen Materialien zur Verfügung, die unter dem Aspekt der Sexualerziehung förderlich sind (Verkleidungsutensilien, Arztkoffer, Spiegel, Sinnesmaterialien...)

Körperwissen/Sprache

  • Die Sprache bei uns ist wertschätzend, reflektiert und diskriminierungsfrei
  • Wir verwenden keine Verniedlichungen
  • Die Begriffe der Kinder werden geduldet, sofern diese frei von Diskriminierung verwendet werden. Allerdings verwenden und fördern wir diese nicht
  • Abwertende, diskriminierende oder sexistische Ausdrücke werden bei uns nicht toleriert

Aufklärung

  • Wir stellen den Kindern ausgewähltes Bild- und Buchmaterial zur Verfügung
  • bei Bedarf finden zusätzliche thematische Angebote statt

Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle

  • Geschlechtsbewusste Erziehung bietet jedem Mädchen und jedem Jungen die gleichen Chancen, ihre/seine Geschlechtsidentität zu entwickeln, ohne durch stereotype Sichtweisen und  geschlechtsspezifischen Zuschreibungen in ihren/seinen Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt zu werden
  • Bestehende Unterschiede werden wertgeschätzt
  • Geschlechtsbezogene Differenzen werden beachtet und berücksichtigt
  • die Kinder kennen Geschlechtsunterschiede und können diese benennen
  • Verhalten entgegen zugewiesener Geschlechtskategorien wird akzeptiert und es wird nicht korrigierend eingegriffen

 

13. Kinder im sexualpädagogischen Kontext schützen

"Kinder, die geschützt sind, können ungezwungen ihren Körper entdecken und Antworten auf ihre Fragen zum Körper und zur Sexualität bekommen."

Zum Schutz vor sexuellen Grenzverletzungen gelten bei uns folgende Regeln:

Für ein gleichberechtigtes Miteinander der Kinder

  • dürfen Kinder anderer Kinder nicht zu einem Spiel überreden, zwingen oder erpressen
  • dürfen Kinder nicht gegenseitig ihre Körper erkunden, wenn der Altersunterschied/Entwicklungsstand zwischen den Kindern zu groß ist oder ein Machtgefälle besteht
  • darf kein Kind sich selbst oder andere verletzen
  • dürfen keine Gegenstände in Körperöffnungen eingeführt werden
  • dürfen die Grenzen anderer Kinder und der Erwachsenen nicht verletzen

Um die Privatheit der Sexualität zu gewährleisten

  • dürfen die Kinder miteinander zur Toilette gehen, aber sich auch ausdrücklich einen ungestörten Toilettenbesuch ausbitten
  • dürfen Kinder sich voreinander ausziehen, aber der Rückzug beim Umziehen ist genauso selbstverständlich und wird nicht kritisiert
  • schaffen wir den Kindern durch die Raumgestaltung Möglichkeiten ungestört zu spielen
  • bieten wir ein geborgenes Umfeld (Kuschelecken, Decken, Nischen,...)
  • achten die pädagogischen Fachkräfte darauf, dass das persönliche Schamgefühl der Kinder respektiert wird
  • suchen sich die Kinder in Wickel- und Pflegesituationen die Pflegeperson selbst aus

Die sexuellen Aktivitäten entsprechen dem Entwicklungsstand der Kinder, deshalb werden wir hellhörig und greifen ein,

  • wenn in irgendeiner Form Gewalt mit im Spiel ist (verbal oder körperlich)
  • wenn Kinder eine stark sexistische Sprache benutzen
  • wenn das Interesse an Körpererkundungen bei einem Kind über einen längeren Zeitraum größer ist als an anderen altersgerechten Spielen
  • wenn ein Kind sexuelle Aktivitäten zeigt, die nicht altersgemäß sind,

indem wir mit den betreffenden Kindern sprechen, pädagogische Maßnahmen zum Schutz der Kinder ergreifen und die betreffenden Eltern informieren.

 

14. Kinder im sexualpädagogischen Kontext stärken

Zur Prävention von Grenzverletzungen und sexuellen Übergriffen stärken wir die Kinder bei der Entwicklung eines positiven Körperbildes.

Die Haltung der pädagogischen Fachkraft zeigt sich durch:

  • eine vertrauensvolle und beständige Beziehung zum Kind
  • eine geregelten Tagesablauf und ein strukturiertes Umfeld
  • eine positive Fehlerkultur dem Kind, sich selbst und dem Team gegenüber
  • eine Orientierung an den Ressourcen des Kindes
  • einen wertschätzenden und toleranten Umgang mit dem Kind und allen am Erziehungsprozess Beteiligten
  • einen authentischen und kongruenten Umgang mit den eigenen Gefühlen

Das positive Selbstbild des Kindes wird im Alltag gestärkt:

  • durch das Recht auf Hilfe und Unterstützung
  • durch das Recht auf körperliche Selbstbestimmung
  • durch die klare Kommunikation von persönlichen Grenzen und das Recht "nein" zu sagen
  • indem es seine Gefühle kennt, sie benennen und in einem gesellschaftlich akzeptierten Rahmen ausleben darf
  • durch die klare Abgrenzung von guten zu schlechten Geheimnissen und den Umgang mit ihnen
  • durch vielfältige und gezielte Angebote zum Erleben des eigenen Körpers
  • durch entwicklungsgemäße Übernahme von Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber
  • indem die päd. Fachkraft eine realistische Selbstwahrnehmung fördert
  • durch eine Vielfalt an Rollenvorbildern, Kulturen, Religionen und Lebenskonzepten und die daraus resultierende Möglichkeit der Identitätsbildung

Die Resilienz des Kindes wird durch folgende Rahmenbedingungen und Methoden zusätzlich gestärkt:

  • durch eine vorbereitete, einladende und fordernde Umgebung
  • durch thematische Elternabende und Kurse
  • durch gelebte Bildungs- und Erziehungspartnerschaften
  • durch themenorientierte Projekte, Angebote und weitere Möglichkeiten der didaktischen Umsetzung (Kinderschutz-Box, Lieder, Gefühlsbarometer,...)